Wittmund Mit seinem Beitrag auf Facebook sorgte Sebastian Koch für eine Welle der Solidarität: Mehr als 2400 Mal teilten Nutzer bis gestern Mittag seine Worte. Koch kann nicht verstehen, warum größere Märkte wieder öffnen und verkaufen dürfen. Der Inhaber von „Koch’s Fahrradwelt“ mit Betrieben in Wittmund und Schortens ist wie andere Geschäfte von dem Corona-Erlass betroffen: Seine Läden sind geschlossen.

Die Werkstatt ist weiterhin von Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr für Kunden da. Seine Mitarbeiter und er bieten zudem einen kostenlosen Bring- und Abholservice an. Koch ist froh, dass der Service angenommen wird. Aber: „Wenn wir 60 Inspektionen machen, kommen wir auf den Wert eines 3000 Euro teuren E-Bikes“. Was fehlt, sind der Service, das Probefahren, der direkte Verkauf. Der Fachhändler ist empört – so sagt er auf Facebook: „Die Baumärkte dürfen Fahrräder verkaufen, da wird am Ostersamstag der Teufel los sein. Aus dem vollen Aldi-Markt werden E-Bikes herausgeschoben. Liebe Landesregierung, bitte behauptet nie wieder, dass Ihr euch um die kleinen Leute, die regionalen Anbieter und Fachhändler kümmert. Schämt euch!“ Dieser Verkauf sei eine große Konkurrenz für Fachhändler. Koch sagt: „Ich kann besser kontrollieren, wer in meinen Laden kommt.“ Er könne ein, zwei Kunden reinlassen, in seinem 300 Quadratmeter großen Geschäft sei ausreichend Platz, um Abstand zu halten.

Aufruf mit einem Facebook-Video

Koch erzählt, dass er sich bei der Landesregierung erkundigt habe. Diese ist für den Erlass, Geschäfte zu schließen, zuständig. Koch sagt, er dürfe vor seinem Geschäft in Wittmund nicht ein Fahrrad vor die Tür stellen, um den Kunden zu zeigen, dass die Werkstatt geöffnet ist. Laut Ordnungsamt solle die Stadt leer bleiben, um Kontakte zu vermeiden, sagt der Inhaber. In anderen Regionen beispielsweise wurden die Vorgaben nicht so streng ausgelegt, Fachgeschäfte dürften offenbar unter Einschränkungen verkaufen. Das könne nicht sein, sagt Koch. Er fühlt sich machtlos, ihm geht es um Gerechtigkeit – entweder ganz oder gar nicht.

Die Pressestelle des Landkreises Wittmund gibt bekannt: „Die Verordnung des Landes Niedersachsen ist bindend und gewährt den Landkreisen keinerlei Ermessensspielräume.“ Dass Baumärkte, Aldi und Co. öffnen dürfen, sei eine Entscheidung des Landes. Dass Einzelhändler ein Sortiment vorhalten, das in Teilen auch bei geöffneten Läden angeboten wird, eröffne keine Ausnahmen. Landkreise könnten weitere Anordnungen treffen, soweit es der Verordnung nicht widerspreche. Für den Einzelhandel habe das Land aber klare Vorgaben für Ausnahmen gemacht. Dadurch sei kaum Ermessensspielraum vorhanden.

Koch rief in einem Facebook-Video dazu auf, in der Krise und danach lokal in der Innenstadt zu kaufen: „Seid für uns da. Wir kämpfen weiter.“ Der Inhaber möchte im Pudding bleiben und setzt ein Zeichen: Ende Mai zieht er mit seinem Laden und der Werkstatt von der Drosten- in die Brückstraße um. Seine Neueröffnung möchte er durchziehen, doch seine Erweiterung im Schortenser E-Bike-Store liegt erstmal auf Eis. „Wir bezahlen Miete, Steuern, Abgaben“, sagt er. Jetzt müsse er die Räder bezahlen. Für ihn geht es um die Existenz.

Ina FrerichsVolontärin

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