Wittmund Nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie ist der Meeresspiegel an der Nordsee von 1918 bis heute um rund 20 Zentimeter gestiegen. Der Weltklimarat geht geht in seinem jüngsten Bericht aus dem September 2019 von einem Anstieg zwischen 60 und 110 Zentimetern bis zum Ende dieses Jahrhunderts aus, schließt aber nicht aus, dass der Mittelwert stärker ansteigen könnte.

Diese Prognose sorgte unter dem Punkt „Küstenschutz“ im Kreisumweltausschuss für einen bangen Blick in die Zukunft, gerade was den Deichbau angeht. Dafür stellt das Land Niedersachsen derzeit 60 Millionen Euro jährlich bereit; der Betrag soll auf 80 Millionen erhöht werden. Das sei noch viel zu wenig, wie einige Ausschussmitglieder meinten.

„60 bis 80 Millionen Euro werden nicht reichen“

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserschutz, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) nimmt die Prognosen ernst und plant schon jetzt bei Deicherhöhungen grundsätzlich einen Anstieg des mittleren Tidehochwassers von 50 Zentimetern in den nächsten 100 Jahren ein, wie Alfons Coordes von der Unteren Deichbehörde im Ausschuss berichtete. Würde man die Deiche nicht anpassen, könnten weite Bereiche des Küstenstreifens im Kreisgebiet gefährdet sein, wie der Ort Bensersiel, das Gebiet westlich von Neuharlingersiel (ob die Höhen im Ort noch ausreichend sind, wird geprüft), Harlesiel und Bereiche westlich von Harlesiel. Die Defizite hier sollen innerhalb der nächsten Jahre behoben werde. Zudem muss man Langeoog und Spiekeroog im Blick behalten. Auch viele Mündungsbauwerke wie Sperrwerke, Siele und Schutzmauern sind laut NLWKN nicht mehr zeitgemäß.

Martin Mammen (Grüne) meldete sich nach einer Phase des betretenen Schweigens als erster im Ausschuss zu Wort: „Der Unsicherheitsfaktor ist groß – ein bis 1,50 Meter müssen auf die Deiche draufgepackt werden.“ Der Küstenschutz werde zur Daueraufgabe, fügte Herbert Potzler (BFB) hinzu. „60 bis 80 Millionen werden nicht reichen – außerdem kann der Bund diese Aufgabe nicht allein dem Land überlassen.“ Helmut Janssen (CDU) forderte, das Deichgesetz zu ändern. „Die Deichsicherheit kann nicht nur Sache der Kommunen.“ Landrat Holger Heymann kritisierte ebenfalls das mangelnde Engagement des Bundes.

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Manfred HochmannStellv. Redaktionsleitung

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