Wittmund Mehr als 500 Anträge auf Herabsetzung oder Stundung von Steuerzahlungen – das ist die aktuelle Bilanz des Finanzamtes in Wittmund in Zeiten der Corona-Pandemie. Wenig Grund zur Freude also für den Niedersächsischen Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) bei seinem Besuch am Montag in der Kreisstadt. Gemeinsam mit Amtsleiter Christoph Südbeck und dessen Stellvertreter Jan Rotermund stellte der Minister die Zahlen der Krise vor.

Bei den Liquiditätshilfen durch Stundungsanträge geht es in Wittmund um eine Millionensumme, die sich zusammensetzt aus 1,3 Millionen Euro Einkommens-, 87 000 Euro Körperschafts- und 1,2 Millionen Euro Umsatzsteuer. Hilbers hob diese Maßnahmen als derzeit wirksamste Hilfe für Menschen und Unternehmen hervor – ohne die Situation schön rechnen zu wollen: „Das muss irgendwann auch mal bezahlt werden.“ Insgesamt hätten die niedersächsischen Finanzämter den Bürgern und Unternehmen in den Monaten März und April Liquidität in Höhe von 1,5 Milliarden Euro verschafft.

Zudem arbeite man an der möglichst schnellen Bearbeitung auch der Steuererklärung, um von Kurzarbeit oder Arbeitsverlust betroffenen Menschen den Bescheid zeitnah zustellen zu können.

Hilbers, der in der letzten Woche die Steuerschätzung für Niedersachsen präsentierte und für dieses Jahr 3,4 Milliarden Euro weniger an Einnahmen erwartet, dankte den Mitarbeitern der Ämter, die sich unter erschwerten Umständen „in einem bemerkenswerten Umfang eingesetzt“ hätten – in Wittmund zudem vor dem Hintergrund der vorbereiteten Fusion mit dem Finanzamt in Aurich.

Wie schon im September 2018, als die Fusion der Finanzämter Aurich und Wittmund zum Juli 2021 beschlossen wurde, betonte der Minister, dass keine Einsparungen geplant seien. Es gehe darum, beide Standorte dauerhaft zu erhalten und zukunftsfähig aufzustellen. Deswegen würden bestimmte Aufgabenbereiche an einem Ort konzentriert. Welche Schwerpunkte allerdings auf Wittmund und welche auf Aurich entfallen, sei noch nicht endgültig festgelegt, informierte Südbeck. Mit großer Mehrheit jedoch hätten sich die Mitarbeiter – in Wittmund arbeiten 76 Bedienstete – für die Arbeit am bisherigen Standort entschieden. Wessen Arbeitsbereich nach Aurich verlegt werde, der könne hier neue Aufgaben übernehmen.

Der Finanzamtsbezirk umfasst neben der Stadt Wittmund auch Esens, Holtriem, Friedeburg sowie Langeoog und Spiekeroog. Das Steueraufkommen für dieses Gebiet betrug im vergangenen Jahr rund 206 Millionen Euro.

Jens NählerRedaktionsleitung

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