Wilhelmshaven Radio Jade und Bürgerfunk – das gehört untrennbar zusammen. Ohne das eine gebe es das andere nicht, so besagt es die Vorgabe der Landesmedienanstalt. „Zugangsoffene Sendeplätze zu schaffen, ist ein wesentlicher Teil unseres Auftrages“, erklärt Karsten Hoeft, Geschäftsführer von Radio Jade. „Zugangsoffene Sendeplätze“ heißt dabei nichts anderes als eben Bürgerfunk. Mehr als 500 Aktive haben dieses Segment seit Sendestart 1997 bereits mit Leben gefüllt.

Der Auftrag, den die Landesmedienanstalt für eine Lizenzvergabe an lokale Sender vorgibt, fußt auf drei Säulen: die Ergänzung des publizistischen Angebots vor Ort (eine redaktionelle Aufgabe), die Vermittlung von Medienkompetenz und die besagte Schaffung zugangsoffener Sendeplätze. „Nur wenn alle drei Komponenten nachweislich erfüllt werden, kann überhaupt eine Lizenz erteilt werden“, betont Hoeft. Radio Jade gelingt das seit 22 Jahren.

Mit wöchentlich 39 Sendestunden macht der Bürgerfunk mehr als ein Drittel des Gesamtprogramms aus. „Damit ist er wesentlicher Bestandteil und kein Anhängsel der redaktionellen Arbeit“, sagt der Geschäftsführer. Die Zeitfenster des Bürgerfunks – werktags von 18 bis 22 Uhr, samstags von 12 bis 22 Uhr und sonntags 11 bis 22 Uhr (abzüglich der redaktionellen Sportsendungen) – seien sehr gut gefüllt. „Manchmal haben wir am Wochenende noch etwas Platz. Aber den füllen wir dann gegebenenfalls mit einer Tonspur“, so Hoeft weiter.

Kurse zum Sendeführerschein

Die Nachfrage, selbst einmal Radio zu machen, ist nach wie vor groß. „Wir bieten vierteljährlich unsere Wochenendkurse zum Sendeführerschein an, die regelmäßig voll sind. Sollte es zusätzlichen Bedarf geben, machen es auch zwischendurch.“ Erstmals kündigt Radio Jade die Kurse jetzt im Programm der Volkshochschule an. Zudem gibt es im Februar einen weitere Premiere: ein Kursangebot nur für Frauen. Denn die, das räumt Hoeft ein, sind unter den Bürgerfunkern etwas unterrepräsentiert.

Das inhaltliche Spektrum aber ist trotzdem riesengroß. „Das Schöne am Bürgerfunk ist ja, dass man hier so ziemlich alles machen kann“, erklärt der 54-Jährige. Zudem stärke die aktive Beteiligung die individuelle Medienkompetenz. „Wer einmal selbst Radio gemacht hat, geht anders mit Medien um und erkennt, dass es nicht nur um Schlagzeilen geht, sondern viel Arbeit dahinter steckt.“ In der Regel machen Bürgerfunker eine Sendung pro Monat über jeweils zwei Stunden. „Üblicherweise denken sich die Teilnehmer ein Format aus und probieren dann, ob’s funktioniert.“ Es brauche immer auch ein gewisses Durchhaltevermögen. „Nach gut einem halben Jahr ist die Hürde geschafft und die Bürgerfunker bleiben dabei oder geben wieder auf!“

Dass Radiomachen zudem ein bisschen der Pflege des eigenen Egos dienen könnte, will der Geschäftsführer nicht in Abrede stellen. Wichtiger sei jedoch, die Relevanz des eigenen Tuns zu erkennen. „Man kann in seiner jeweiligen Nische sehr viel machen und sich eine Stammhörerschaft aufbauen, zum Teil sogar international“, weiß Hoeft aus eigenem Erleben.

„Friesenszene backstage“ hat über 1100 Folgen

Schon weit vor seiner Zeit als Musikredakteur und späterer Geschäftsführer ist er aktiv in den Bürgerfunk eingestiegen. Lange ging er mit „Folk und Verwandtes“ auf Sendung, inzwischen zeichnet er im wöchentlichen Wechsel mit Hans Dieter Friedrichs-Wattjes (Bürgerfunker der ersten Stunde) für die „Friesenszene backstage“ verantwortlich. Neben der „Klassik am Sonntag“ ist es die einzige wöchentliche Sendung mit bereits über 1100 Folgen. Kein Zufall. Hier werden Bands und Solo-Künstler aus dem gesamten Sendegebiet vorgestellt, sind dabei meist selbst live im Studio. Häufig kämen die Musiker selbst auf Radio Jade zu, um sich einen Platz in der „Friesenszene“ zu sichern. „Das Format stellt einen echten Mehrwert da. Es bereichert die regionale Musikszene und die Kulturlandschaft insgesamt.“ Aktive und Hörer wüssten das gleichermaßen zu schätzen, sagt Hoeft.

Den Ansatz, nicht nur unterhalten zu wollen, sondern darüber hinaus Inhaltliches zu vermitteln, teilen viele Bürgerfunker. „Und es ist doch schön zu wissen, dass das draußen wahrgenommen wird“, freut sich der Geschäftsführer. Entsprechende Rückmeldungen gebe es vor allem in sozialen Medien. Diese Akzeptanz unterstreiche die Bedeutung von Bürgerfunk in der bzw. für die Region – und damit die von Radio Jade, denn ohne den Sender gäbe es den Bürgerfunk nicht.

Weitere Artikel zum Thema Bürgerfunk bei Radio Jade

Lutz RectorLokalredaktion

Weitere Nachrichten:

Radio Jade | Landesmedienanstalt | VHS

Ihre Meinung

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.