Wilhelmshaven Im Sauseschritt vom Wahlsieg Trumps im November 2016 bis zu ihrer eigenen Einbürgerung in Deutschland: Entertainerin Gayle Tufts begeisterte mit ihrem Programm „American Woman“ das Publikum im ausverkauften Pumpwerk. Vom Ende ihrer „Prosecco-Stimmung“ (sie hatte fest mit einem Sieg Hillary Clintons gerechnet) bis zu den Dingen, die sie in Deutschland am meisten liebt, blieb da kaum Zeit, Luft zu holen.

Ja, sie nahm zwischendurch am Tisch Platz, um aus ihrem Buch vorzulesen. Doch nichts hält diesen Wirbelwind lange auf dem Stuhl. Gestikulierend, sogar singend und tanzend, präsentierte sie ihre deutsch-amerikanische Sicht auf die Welt. Wer von uns hätte gedacht, dass eine Amerikanerin die Tagesschau liebt: „Sie bietet Halt in dieser unsicheren Welt.“ Und damit einen wohltuenden Kontrast zu den US-Nachrichtensendungen, die „den visuellen Reiz eines Flipperautomaten haben – allerdings mit Werbepausen“. Da wundert es nicht, als Stiftung Warentest, Bodenständigkeit und Stoßlüften („Die deutsche Antwort auf alles“) in Tufts Aufzählung folgen. Herrlich auch ihre Ausführungen zum typisch deutschen Spazieren gehen. „Als wir das drüben in Amerika auf Cape Cod gemacht haben, hat uns die Polizei angehalten. Die dachten, wir hätten eine Autopanne. ,No, just going for a walk!‘ – ,Why???‘ Dann haben die Polizisten mich und meinen Mann angeguckt: ,Are you sure you’re okay, Ma’am?‘.“ Was sie an Amerika liebt? „Die Freundlichkeit! Man macht sich und anderen das Leben leichter, wenn man nett ist zueinander.“

Auftritt bei Florian Silbereisen

Seit 30 Jahren lebt die 1960 in Brockton, Massachusetts, geborene Tufts nun schon in Berlin. Nach 27 Jahren und Ewigkeiten mit ihrem deutschen Partner („der Bremer“) entschied sie sich, hier nicht länger nur Steuern zahlen, sondern auch politisch mitbestimmen zu wollen. Gayle Tufts hat es geschafft. Auch in der Abendunterhaltung. Einem ersten Auftritt in der Weihnachtsshow von Florian Silbereisen („Wir haben Frosty the Snowman gesungen“) folgte die Bekanntschaft mit dessen netter Mutter („Die ist ein Jahr jünger als ich!“) und weitere Auftritte beim „supernetten Typ“. Der letzte Besuch in seiner Show war allerdings spontan – so saßen sie als Gäste in der ersten Reihe. „Wir mussten plötzlich Polonaise zur Musik von DJ Ötzi tanzen. Der Bremer ist darüber heute noch stinksauer.“

Als „Neudeutsche“ hat Gayle Tufts natürlich auch ihren eigenen Blick auf ein innerdeutsches Ereignis vor 30 Jahren: „Als die Mauer fiel, habe ich in den USA damals gedacht: Yeah, Demokratie für alle in Europa! Und dann hörte ich den Song von David Hasselhoff ,I ’ve been looking for Freedom!‘ Heute sage ich: We should have known damals, that what begins with a Soundtrack of Hasselhoff, wird nicht gut ausgehen.“

Michael HalamaHafen, Schifffahrt und Marine

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