Wilhelmshaven Schwierige Lage für viele Unternehmen, gute Noten für das Krisenmanagement von Bund. Land und Kommunen. Das sind zwei der Ergebnisse einer repräsentativen Konjunkturumfrage, in der die wirtschaftliche Lage von unternehmen in der Jade-Region in Zeiten der Corona-Krise erfragt wurde.

An der vom Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade (AWV) in Kooperation mit Wirtschaftsförderkreis Harlingerland e. V. (Wittmund) und der Wirtschaftsfördergesellschaft Varel e.V. auf den Weg gebrachten Erhebung beteiligten sich 117 Unternehmen mit 20.827 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten aus der Stadt Wilhelmshaven sowie den Landkreisen Friesland und Wittmund.

Unternehmen berichten von teils drastischen Umsatzeinbußen

Auf einer Videokonferenz, stellten Präsident Tom Nietiedt, seine Vorstandskollegen Thomas Hohmann und Thomas Bruns sowie als Sprecher der Geschäftsführung Henning Wessels (alle AWV) zusammen mit Frank Happe (Geschäftsführer) und Vorstand Hendrik Rösing (beide Wirtschaftsförderkreis Harlingerland) und das Vorstandsmitglied Ekkehard Brysch von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Varel die zum Teil dramatischen Ergebnisse vor. So verzeichnen rund 22 Prozent der befragten Unternehmen Umsatzeinbußen von um die 50 Prozent, bei 26 Prozent ist der Umsatz komplett ausgefallen.

Nur 29 Prozent der Unternehmen befürchten durch die Krise keinen wirtschaftlichen Schaden. 32 Prozent beziffern ihren Schaden auf bis zu 50.000 Euro, 11 Prozent sprechen von Ausfällen bis zu 500.000 Euro. 15 Prozent gaben sogar an, dass ihr Schaden bis zu einer Million Euro betragen kann.

Viele Unternehmen haben Kurzarbeit (44,2 Prozent), Kredite oder Zuschüsse (43 Prozent) beantragt. Bisher mussten sich 6,5 Prozent der Unternehmen von Mitarbeitern trennen, um am Markt bestehen zu können. 10,4 Prozent gaben dem gegenüber an, nach der Krise Mitarbeiter einstellen zu wollen, um aufgeschobene Aufträge fristgerecht erledigen zu können.

Einige Unternehmen können nur noch wenige Wochen durchhalten

Auf die Frage, wie lange die Unternehmen noch aushalten können, bis „irreparable Schäden“ eintreten, nannten 6 Prozent eine Frist von einer bis zwei Wochen. 22 beziehungsweise 33 Prozent gaben an, die Krise noch drei bis vier Wochen beziehungsweise zwei Monate aushalten zu können. Deutlich wurde bei der Umfrage, dass die Corona-Krise viele Unternehmen früher oder später in eine Existenz bedrohende Schieflage bringen könnte. Mit einer „normalen“ wirtschaftlichen Lage rechnen 45 Prozent der Befragten noch in diesem Sommer, 44 Prozent in 2021, 11 Prozent aber „frühestens 2022“.

Viele Unternehmen haben aus der Krise gelernt. So wollen 33,8 Prozent zum Beispiel Homeoffice-Arbeitsplätze auch in Zukunft weiter etablieren, 63,6 Prozent die Digitalisierung in ihrem Unternehmen vorantreiben und bei 36,4 Prozent der Befragten sollen künftig Präsenz-Sitzungen durch Videokonferenzen ersetzt werden. Ein Problem dabei: 18,4 Prozent der Befragten geben an, dass die schlechte Internetverbindung ihres Unternehmens die Arbeit während der Corona-Krise zusätzlich erschwert habe.

Lob gibt es für das Krisenmanagement der Kommunen

Die Mehrheit der Unternehmen beurteilt die Beschränkungen als Folge der Corona-Krise samt der Unterbindung von geschäftlichen Aktivitäten als „voll und ganz“ beziehungsweise „in weiten Teilen“ als richtig. Insgesamt bekamen Bund, Land und Kommunen gute Noten für ihr Krisenmanagement (Stand: Mitte Mai). In Wilhelmshaven bewertet 5 Prozent der Unternehmer die Arbeit seitens der Stadt als „sehr gut“ und 61 Prozent als „gut“. Ähnlich das Ergebnis in Friesland: 14 Prozent „sehr gut“, 41 Prozent „gut“.

Diesen Eindruck bekräftigen auch die AWV-Vertreter. So seien die drei Hauptverwaltungsbeamten Oberbürgermeister Carsten Feist sowie die Landräte Sven Ambrosy (Friesland) und Holger Heymann (Wittmund) für Fragen der Wirtschaft immer ansprechbar gewesen. Wessels: „Das hat gut geklappt.“

Dennoch machen sich viele Unternehmen (67,9 %) sorgen, dass es nach dem Wiederhochfahren der Wirtschaft noch über einen längeren Zeitraum Rezessionseffekte in der Gesamtwirtschaft geben könnte.

Gute Noten von seinem Mitglieder hat auch der AVW bekommen – und zwar hinsichtlich der juristischen Beratung seiner Mitglieder in der Krise, seiner wirtschaftspolitischen Positionierung als auch für das Informationsangebot, das der Verband in Corona-Zeiten bereitgestellt hat.

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