Wilhelmshaven Aus anderen Städten hört man es derzeit vermehrt: Die Mülltonnen quellen über. Durch die Corona-Krise sind mehr Menschen zu Hause, arbeiten von dort oder beschäftigen sich anders, bringen ihren Garten auf Vordermann oder entrümpeln ihre vier Wände. Führt das auch in Wilhelmshaven zu Veränderungen bei der Müllmenge oder gar Problemen bei dessen Entsorgung?

Einen leichten Anstieg an Rest- und Bioabfällen in den vergangenen Wochen bestätigt Julia Muth, Pressesprecherin der Stadt Wilhelmshaven. Doch der Müll „führt zu keinen Problemen in Wilhelmshaven“. Einige Haushalte haben zusätzliche Saisonbehälter für Bioabfall bestellt, erklärt sie. Zudem bestehe für jeden Bürger stets die Möglichkeit, bei Bedarf kostenpflichtige Sonderleerungen der braunen oder schwarzen Tonne zu beantragen.

Auch Menschen, die sich in Quarantäne befinden können ihren Müll über diese Tonnen entsorgen. Dies sei per Erlass vom Land Niedersachsen geregelt. „Die Entsorgung der Restabfälle kann in fest verschlossenen Säcken über die Restabfalltonne erfolgen. Das Gesundheitsamt wurde entsprechend unterrichtet“, erläutert Muth.

Ob und wenn ja in welchem Ausmaß sich die Müllmengen verändert haben oder noch verändern, werden Zahlen erst in den nächsten Wochen zeigen, sagt die Stadtsprecherin.

In einem Bereich kann man jedoch bereits einen Vergleich anstellen: Von Mitte März bis Mitte April seien dieses Jahr etwa 100 Sperrmüllanträge mehr eingegangen als im Vorjahr, berichtet Julia Muth. Längere Wartezeiten bedeute dies aber nicht, ergänzt sie. Um sie zu vermeiden wurde die Organisation angepasst und mehr Personal eingesetzt.

Normalerweise können Wilhelmshavener ihren Müll auch selber ins Entsorgungszentrum am Friesendamm bringen. Als sich die Corona-Krise zuspitzte wurden die Tore des Entsorgungszentrum allerdings vorerst geschlossen. So sollte zum einen sichergestellt werden, dass die Touren zur Müllabholung sichergestellt seien. Zum anderen gab es einen so großen Ansturm, dass Abstände zwischen den Mitarbeitern und Kunden nicht mehr garantiert waren.

Trotz der fehlenden Möglichkeit, das Entsorgungszentrum zu nutzen, wollten die Menschen ihren Müll loswerden. So sahen sich offenbar viele dazu veranlasst, ihn illegal zu entsorgen. Vor allem die Wertstoffsammelplätze entwickelten sich zu regelrechten Müllkippen. Vor den Papier- und Glascontainern sowie den Sammelboxen für Altkleider und Schuhe tummelten sich Berge von Abfällen, die dort eigentlich nicht hingehörten.

Die Technischen Betriebe Wilhelms-haven (TBW) und das Entsorgungszentrum Wilhelmshaven (WEL) sammelten Ende März zum Beispiel an einem Tag etwa 60 Prozent von dem ein, was sie sonst in einer ganzen Woche an unerlaubt abgelagertem Abfall sammeln. Daraufhin appellierten die Betriebe an die Bürger der Stadt, ihre Entrümpelungen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben beziehungsweise den Müll nicht illegal zu entsorgen. Dieser Appell zeigte Wirkung, berichtet Muth, die Situation habe sich inzwischen wieder entspannt.

Nach Ostern wurde die Vorsichtsmaßnahme gelockert, das Entsorgungszentrum auch für private Kunden wieder geöffnet. Für Anlieferungen war jedoch eine vorige Terminvereinbarung nötig. Die Nachfrage war hoch, die vergangene Woche bereits am Dienstag ausgebucht.

Dem hohen Bedarf begegnet das Entsorgungszentrum damit, ab dem heutigen Montag die Tore wieder für alle zu öffnen – ohne Termin und zu den gewohnten Zeiten. Beim Besuch gelten weiterhin Vorsichtsmaßnahmen. So dürfen beispielsweise nur zwei Personen pro Auto und insgesamt lediglich eine begrenzte Anzahl von Fahrzeugen auf das Gelände. Dadurch könnten längere Wartezeiten entstehen.

Für Gewerbekunden war das Zentrum auch während der zeitweisen Schließung weiterhin nutzbar. Dass wesentlich weniger Gewerbeabfälle angeliefert wurden, sei derzeit nicht erkennbar, sagt Julia Muth. Allerdings nehme die WEL auch nicht die Entsorgung, sondern nur die Verladung der Abfälle vor.

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