Wilhelmshaven Nasskalt war es, als die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ kürzlich den Stützpunkt gen Mittelmeer verlassen hat, um an einer Nato-Mission teilzunehmen. Abschied nehmen für einige Monate, das fällt nicht leicht. Zurück auf der Pier bleiben stets die Partner, oft Kinder, und Angehörige der Soldaten. Jedes Kind freut sich da über einen kleinen Teddy oder etwas Süßes als Trostspender, die Großen nehmen gerne Taschentücher, aber auch einen heißen Kaffee und ein warmes Würstchen, bevor es heim geht. Für all das sorgen die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Familienbetreuungszentrums (FBZ) der Bundeswehr in Wilhelmshaven. Als Anlaufpunkt dient dazu die „Blaue Insel“, ein blauer, gut erkennbarer Betreuungsanhänger.

„Wir leisten diese Arbeit für die Angehörigen von Soldatinnen und Soldaten in Wilhelmshaven und Umgebung – mit Unterstützung durch die Familienbetreuungsstelle Schortens“, sagt Oberstabsbootsmann Sven Trousil, Leiter des hiesigen FBZ. „In unserem Team finden sich kompetente und hilfsbereite Ansprechpartner, die sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten um die Fragen und Herausforderungen von daheimgebliebenen Angehörigen kümmern. Sie wissen nicht auf jede Frage gleich eine Antwort, aber durch die gute Vernetzung am Standort Wilhelmshaven, unter anderem mit dem psychosozialen Netzwerk oder dem Netzwerk der Hilfe kennen sie oft jemanden, der die Antwort weiß. Wir verstehen uns als Dienstleister.“

Aber auch bei den monatlich stattfindenden Informations-und Betreuungsveranstaltungen, die von Angehörigen gerne besucht werden, sei das FBZ für sie da. „Bei diesen Veranstaltungen informieren wir die Angehörigen aus den weltweiten Einsatzgebieten der Bundeswehr. Dazu gehören unter anderem Vorträge von Einsatzsoldatinnen und -soldaten, die über ihre Erfahrungen und Erlebnisse berichten.“

Einer der Hauptgründe dieser Veranstaltungen ist es aus Sicht des FBZ-Leiters, die Angehörigen miteinander zu vernetzen. „Gerade, wenn man dasselbe Schicksal teilt – man vermisst einen Partner, Sohn, Tochter oder auch Freund – dann kann es hilfreich sein, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Mein Motto ist immer ,Machen Sie aus Fremden Freunde‘.“ Aus eigenem Erleben der vergangenen Jahre wissen die Haupt- und Ehrenamtlichen des FBZ: Vielleicht ergibt sich bei diesen Veranstaltungen aus einer flüchtigen Begegnung mit Gleichgesinnten schon bei der zweiten oder dritten Veranstaltung eine neue Freundschaft fürs Leben. Denn das Team des Familienbetreuungszentrums Wilhelmshaven könne eben nur einen Teil der Lücke schließen.

Für Oberstabsbootsmann Sven Trousil und sein Team laufe es richtig rund, betont er. Es herrsche ein tolle Stimmung – und der neu beschaffte Betreuungsanhänger, auf den das FBZ lange warten musste, habe sich inzwischen bewährt. Was die Frauen und Männer um den 53-jährigen Leiter jedoch erstaunt, ist die Tatsache, dass es immer noch viele Soldaten gibt, die vor einem Einsatz niemand anmelden als Ansprechpartner für die Familienbetreuung. „Das ist schade, weil wir aus Datenschutzgründen gar nicht anders an die Angehörigen oder die Partner herankommen“, so der Oberstabsbootsmann. „Deshalb wäre es schön, wenn unser Angebot noch stärker angenommen würde und mehr Soldaten den entsprechenden Personalbogen vor dem Einsatz ausfüllen.“

Bei der Heimkehr eines Schiffes warten die Angehörigen oft stundenlang vorher auf der Pier; am 8. Februar beim Einlaufen der „Hamburg“ nach sechs Monaten Abwesenheit wird es genauso sein. „Wir plaudern dann mit den Leuten über die vergangenen Monate, über die Herausforderungen die jeder während dieser Zeit der Trennung zu bewältigen hatte“, so Sven Trousil.

Michael HalamaHafen, Schifffahrt und Marine

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