Frage: Herr Rademacher, eine der wichtigsten Fragen derzeit vorweg: Wie geht es Ihnen und Ihren Mitarbeitern?
Frank Rademacher: : Wie viele andere auch haben wir gerade gut zu tun. Die Corona-Krise beschäftigt uns natürlich in besonderer Weise. Einerseits haben wir einen hohen Verwaltungs- und Organisationsaufwand, weil unsere Abläufe stetig angepasst und optimiert werden. Das erfordert von allen Mitarbeitenden ein hohes Maß an Flexibilität.
Andererseits machen wir uns aber natürlich dieselben Sorgen und Gedanken um unsere eigene Gesundheit und die unserer Angehörigen, wie alle anderen Bürger auch.
Frage: Aktuell fahren die Busse der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft nach einem geänderten Sonntagsfahrplan. Warum?
Rademacher: : Das hat zwei Gründe: Durch die derzeitige Lage ist es in unseren Bussen deutlich ruhiger geworden. Die große Gruppe der Schüler/Studenten ist weggefallen. Außerdem hatten wir in Folge von Corona rückläufige Fahrgastzahlen, weil weniger Menschen in die Stadt fahren.
Gleichzeitig schauen wir, wie wir mit unseren eigenen Mitarbeitenden ein Schicht-System aufbauen können, um den öffentlichen Personennahverkehr aufrecht zu erhalten. Auch wir haben mit personellen Problemen zu kämpfen, die die notwendigen Corona-Maßnahmen mit sich bringen, wie die Kinderbetreuung, Quarantänefälle etc. Deswegen haben wir, wie andere Städte auch, einen reduzierten Fahrplan gewählt.

Der Sonntagsfahrplan als Grundlage

Frage: Nach welchen Kriterien wurde der Plan geändert?
Rademacher: : Oberstes Ziel war die Zuverlässig- und Dauerhaftigkeit der Verkehrsleistung. Grundlage bildet der Sonntagsfahrplan, den wir aber gerade in den Zeiten, in denen wir viel Berufsverkehr haben, erweitert haben. So stellen wir weitestgehend sicher, dass auch Arbeitnehmer noch Bus fahren können. Hier stehen wir natürlich in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung.
Frage: Was bedeutet der Plan konkret für die Linien?
Rademacher: : Geprägt ist der Sonntagsfahrplan durch den Stundentakt in den Randlagen und dem 30 Minutentakt in der Hauptverkehrszeit. Dies betrifft alle Linien, sie wurden aber in den Morgenstunden um drei Umläufe für den Berufsverkehr erweitert. Mit dem Plan ist eine Grundversorgung gewährleistet.
Frage: Gibt es Einschränkungen im Berufsverkehr oder Stadtteilen, die nicht so zentrumsnah liegen – muss zum Beispiel jemand, der umsteigt, mit langen Wartezeiten leben?
Rademacher: : Ohne persönliche Einschränkungen geht es leider nicht. Das erleben wir ja derzeit in vielen Bereichen. Deswegen lässt sich nicht vermeiden, dass es auch mal zu längeren Wartezeiten kommt bzw. man sich etwas früher auf den Weg machen muss. Aus unserer Sicht haben wir aber eine Lösung gefunden, die insgesamt verträglich ist und den Spagat zwischen derzeitigem Bedarf und bestmöglichem Angebot schafft.

Auf allen Linien wird derzeit mit Gelenkbussen gefahren

Frage: Fahren jetzt weniger Busse? Gibt es Markierungen in den Bussen, damit die Leute Abstand zueinander halten?
Rademacher: : Im normalen Fahrplan sind werktags 17 Busse sowie zehn Verstärker- bzw. Schulbusse unterwegs. Im Sonntagsfahrplan sind in der Spitze elf Busse, ansonsten zehn Busse unterwegs. Wir fahren, bis auf die Linie 3, auf allen Linien mit Gelenkbussen, die insgesamt einfach mehr Platz bieten.
So können sich die Fahrgäste mit Abstand zueinander setzen oder stellen. Wir haben in allen Bussen Hinweisschilder ausgehängt, die auf den Mindestabstand von 1,5 Meter hinweisen. Sollte unser Fahrpersonal dennoch Gruppenbildung erkennen, wird mit Hilfe einer Ansage auf den Mindestabstand verwiesen.
Frage: In der Regel begegnet man in Bussen vielen Menschen. Nutzen die Wilhelmshavener aktuell noch die Öffentlichen Verkehrsmittel oder gibt es viele Leerfahrten?
Rademacher: : Die Fahrgastzahlen sind deutlich zurückgegangen, das merken wir seit Beginn der Corona-Krise. Im Berufsverkehr haben wir derzeit zehn bis 15 Fahrgäste Höchstbesetzung im Gelenkbus, außerhalb des Berufsverkehrs oft nicht mal fünf bis zehn Fahrgäste. Leerfahrten kommen natürlich auch vor.

Sperrung der Vordertür und Folie sollen Busfahrer schützen

Frage: In Supermärkten werden die Griffe der Einkaufswagen nach jedem Kunden desinfiziert. Werden jetzt auch die Haltestangen in Bussen bzw. die Busse häufiger gereinigt?
Rademacher: : Die Fahrzeuge werden intensiver gereinigt. Das Fahrpersonal hält zudem an allen Haltestellen und öffnet die Türen, damit die Fahrgäste nicht unnötig die Halte-Taster bedienen müssen. Auch das ist eine – wenn auch kleine – Maßnahme, um die Infektionsgefahr zu verringern.
Frage: Wie schützen Sie die Busfahrer vor der Gefahr sich anzustecken?
Rademacher: : Durch die Sperrung der ersten Tür und der ersten Reihen sowie einer Folienanbringung an der Fahrerkabine stellen wir sicher, dass unsere Fahrer keinen direkten Kontakt mehr mit den Fahrgästen haben.
Außerdem halten wir unsere Mitarbeitenden natürlich dazu an, die gängigen Hygienevorkehrungen einzuhalten, wie regelmäßig die Hände zu waschen. Unser Fahrpersonal erhält zudem kleine Flaschen mit wirksamen Desinfektionsmittel (viruzid), falls das Händewaschen auf der Strecke nicht möglich ist.
Frage: Kann man Tickets noch ganz normal beim Fahrer kaufen und bar bezahlen?
Rademacher: : Nein, Fahrkarten gibt es seit dem 16. März nur noch bei den verschiedenen Verkaufsstellen im Stadtgebiet und am ZOB in einem eigens dafür abgestellten Bus mit Verkauf über das Seitenfenster.
Das war am Anfang etwas schwierig, weil viele Stellen, die uns zugesagt hatten, dann selbst von einer Verfügung betroffen waren und nicht mehr öffnen durften. Wir haben aber innerhalb sehr kurzer Zeit ein großes Netzwerk aufbauen können, das den Verkauf von Tickets zuverlässig ermöglicht. Das sind hauptsächlich Kioske, die unserem Aufruf über die Zeitung gefolgt waren und sich dankenswerter Weise direkt bei uns gemeldet hatten.

Weitere Nachrichten:

Verkehrsgesellschaft | Coronavirus

Ihre Meinung

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.