Wilhelmshaven Es soll wohl für alle Paare der schönste Tag des Lebens werden: Die Hochzeit. Viele planen Monate und Jahre das besondere Ereignis und freuen sich darauf, den Tag mit all ihren Lieben, Familie und Freunden zu feiern. Dass eine weltweite Pandemie die Pläne durchkreuzen könnte – damit hätte vor wenigen Monaten wohl noch niemand gerechnet. Doch genau so ist es. Viele Paare können sich deshalb in diesem Jahr nicht so das Ja-Wort geben wie geplant.

Alle Trauungen abgesagt

Im Standesamt Wilhelmshaven wurden im April keine Paare getraut, wie Julia Muth, Pressesprecherin der Stadt Wilhelmshaven, auf Nachfrage der „Wilhelmshavener Zeitung“ erklärt. Erst am 4. Mai ging es weiter. Seitdem wurden sieben Trauungen vorgenommen, heute folgt die achte. Bis dahin hat die letzte Trauung am 24. März stattgefunden. „Für den April waren 17 Trauungen vorgemerkt. Davon wurden vier von den Brautleuten selbst abgesagt. Die restlichen 13 Termine wurden bis auf weiteres verschoben. Für Mai liegen bis jetzt fünf Absagen durch die Brautleute vor, für Juni drei und für Juli eine.“

Da der weitere Verlauf der Krise nicht planbar sei, werden alle Überlegungen momentan nur für den jeweils nachfolgenden Monat unter Vorbehalt vorgenommen. Ob und wie genau standesamtliche Hochzeiten umgesetzt werden, schreibt nicht das Land Niedersachsen vor, sondern wird von den Kommunen selbst in Abstimmung mit den Gesundheitsämtern festgelegt. Es gibt lediglich Empfehlungen des Innenministeriums vom 17. März, ergänzt durch ein Schreiben vom 9. April.

Es gelten Hygienevorschriften

Die Stadt Wilhelmshaven habe laut Muth Folgendes festgelegt: Trauungen finden im Ratrium und im Rosarium statt. Das Rosarium habe ein Hygienekonzept vorgelegt. „Die Gesellschaft wird auf dem Rathausplatz vom Ordnungsdienst in Empfang genommen und über den Turmaufgang direkt ins Trauzimmer geleitet. Zugang erhalten nur Personen, die auf einer Gästeliste vermerkt sind. Vor und nach der Trauung werden Trauzimmer und der Turmaufgang gereinigt. Die Trauungen werden deswegen zeitlich großzügiger getaktet. Auf eine Abtrennung durch Plexiglasscheiben sowie Anlegen einer Mund- und Nasenabdeckung wird zurzeit noch verzichtet. Der Mindestabstand ist aber in allen Fällen zwingend einzuhalten.“

Aktuell sei der Personenkreis für Trauungen in Wilhelmshaven auf maximal acht Personen inklusive Brautpaar und Standesbeamte beschränkt. Falls ein Dolmetscher erforderlich ist, darf er zusätzlich mitkommen. Und, so Muth: „Diese Maßnahmen werden je nach Entwicklung der Pandemie laufend angepasst. Dementsprechend ist nicht einschätzbar, ob die Regelungen künftig gelockert oder verschärft werden.“

Eine Betroffene berichtet

Vor allem aber für Paare, die im April heiraten wollten, ist nun unklar, wie es weitergeht. Eine Betroffene ist Joalyn Tepass. Sie und ihr Verlobter Daniel Jahn wollten sich eigentlich am 25. April im Standesamt Wilhelmshaven trauen lassen. Doch Ende März kam die offizielle Absage. Schon davor hatte sich angebahnt, dass die Hochzeit eventuell nicht so stattfinden kann wie geplant. „Wir hatten natürlich durch die Medien alles rund um das Coronavirus mitgekriegt“, berichtet Joalyn Tepass.

Je weiter sich die Lage zuspitzte, desto nervöser wurde die 29-Jährige, hielt regelmäßig telefonisch Kontakt mit dem Standesamt. Zunächst sei der Tenor gewesen, die Hochzeit könne im kleinen Rahmen stattfinden, dann wurden doch alle Trauungen im April abgesagt. Und: „In einem Schreiben bat man uns auch, von Rückfragen abzusehen“, erzählt sie.

Das hat sie dann auch lange getan. Doch je weiter die Zeit voranschritt, desto schwieriger war die Ungewissheit auszuhalten. Schließlich waren auch Absprachen mit der Feierlocation und anderen Dienstleistern zu treffen. Am 21. April fragte Joalyn Tepass in der Bürgersprechstunde mit Oberbürgermeister Carsten Feist dann schließlich, was sie tun könne.

Die Ungewissheit belastet

In einem weiteren Kontakt mit dem Standesamt hieß es, man würde sich melden, um Ersatztermine im Mai oder Juni zu finden. Das kommt für Joalyn Tepass und Daniel Jahn aber nicht infrage. „Wir wollen stattdessen 2021 heiraten.“ Nur das Problem: Die feste Zusage für einen Termin 2021 werde es, so Tepass, laut Aussage des Standesamtes nicht vor Oktober geben. Julia Muth bestätigt auf Nachfrage, dass zurzeit keine Termine zur Eheschließung vergeben werden: „Zunächst werden die Brautleute aus dem April bedient sowie diejenigen, die aus anderen Gründen noch nicht getraut sind.“

Und: „Wir haben großes Verständnis für die vielen Nachfragen zur Durchführung von Eheschließungen. Da jedoch nur unverbindliche Auskünfte erteilt werden können, bitten wir von Nachfragen generell abzusehen. Alle Brautleute werden rechtzeitig durch das Standesamt informiert, sobald die entsprechenden Entscheidungen getroffen wurden.“

Zwar hat Joalyn Tepass einen Wunschtermin im April 2021 geäußert. Auf eine Rückmeldung muss sie allerdings noch mehrere Monate warten, was aus ihrer Sicht für einen unangenehmen Nervenkitzel sorgt. Denn mit der Feierlocation – dem „Windig Steinhausen“ in Bockhorn muss der Termin dringend abgestimmt werden. Der Plan ist, dass die Anzahlung bei der Räumlichkeit verbleibt und nur der Termin verschoben wird. „Die Kollegen dort waren sehr human und bemühen sich, dass uns keine Extrakosten entstehen, das ist trotz allem Kummer sehr schön.“

Dienstleister warten ab

Aber auch wegen der anderen beiden Dienstleister – Fotografin und DJ – braucht Joalyn Tepass eigentlich Planungssicherheit, möchte ihnen den neuen Termin nennen. „Ich habe zwar noch nichts angezahlt, habe den beiden aber angeboten, ihnen jetzt schon das Geld zu geben, da ich ja will, dass sie weiter existieren können und hoffentlich auch bei der Hochzeitsfeier nächstes Jahr dabei sind. Als Freiberufler sind sie hart von der Krise getroffen.“

Nun hängt also alles davon ab, ob das Paar seinen Wunschtermin vom Standesamt zugesagt bekommt. „Da wir auch nicht kirchlich heiraten oder eine Freie Trauung machen, ist uns der Standesamt-Termin schon sehr wichtig.“

Die Ungewissheit sei in den vergangenen Wochen und Monaten schon manchmal schwer zu ertragen gewesen. „Mein Mann hat das alles relativ gelassen genommen“, erzählt Joalyn Tepass. „Aber mir ging das teilweise schon nahe. Es war eine sehr tränenreiche Zeit.“ Denn die 29-Jährige ist ein Mensch, der gerne plant. „Ich habe schon lange vor dem Termin immer geguckt, wie das Wetter wird. Dann hat sich weltweit die Lage angesichts des Coronavirus immer weiter zugespitzt und ich habe mich zu der Zeit zurückgesehnt, als das Wetter mein größtes Problem war.“

Aus Plan B und C wurden irgendwann Plan X, Y und Z: „Uns sind nach und nach die Ideen ausgegangen. Wir wussten nicht mehr, was wir tun sollten.“ Ein bisschen Erleichterung kam zwar, als die endgültige Absage für den ursprünglich geplanten Termin kam. Da war zumindest zunächst die Ungewissheit vorbei. Doch auch jetzt kann das Paar nur hoffen, dass es mit dem Termin im nächsten Jahr klappt.

Keine Flitterwochen

Und: Auch die geplanten Flitterwochen sind der Corona-Krise zum Opfer gefallen: „Witzigerweise hatte mein Verlobter noch vorgeschlagen, dass wir eine Reiserücktrittsversicherung abschließen. Da habe ich gefragt: Was soll denn schon passieren, dass wir nicht heiraten können?“ Rückblickend ein fataler Gedanke. „Ich bin zwar im Kopf alles durchgegangen, was noch dazwischen kommen könnte. Aber eine weltweite Pandemie hatte ich vergessen.“ Doch trotz allem sagt Joalyn Tepass: „Ich möchte mich nicht beschweren und ich möchte auch kein Mitleid. Die Krise ist für uns alle nicht leicht, jeder hat gerade sein Päckchen zu tragen. Wir sind zumindest finanziell abgesichert und wir sind gesund. Das ist das Wichtigste.“

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