Sengwarden „Der Einkauf gestaltet sich für mich derzeit sehr abenteuerlich“, sagt Gesa Namken. Und damit meint sie nicht die Besorgung der Lebensmittel für ihren eigenen Haushalt, sondern die für ihren Dorfladen in Sengwarden. Dieser Tage ist es ein Jahr her, dass sie den kleinen Lebensmittelladen an der Hauptstraße übernommen hat. „Die Jubiläumsfeier holen wir auf jeden Fall nach, wenn die Corana-Krise vorbei ist“, sagt sie voller Optimismus. Aber zurück zur derzeitigen Situation, in der Gesa Namken mit ihrem „Dorfladen zur Mühle“ die Versorgung der Dorfbevölkerung im Stadtnorden aufrecht erhält.

Für den rund 65 Quadratmeter großen Laden gelten die gleichen Vorgaben wie für die Supermärkte. Nicht mehr als drei Kunden gleichzeitig dürfen im Laden sein, die Abstände müssen eingehalten werden und auch der kleine Tisch, an dem Kunden mal einen Kaffee trinken oder frühstücken konnten, darf nicht mehr genutzt werden. „Kaffee und belegte Brötchen gibt es nur noch zum Mitnehmen“, sagt die Geschäftsfrau.

„Ich bin aber total begeistert von meinen Kunden. Alle haben sich vorbildlich verhalten und selbst in der Hauptbrötchenzeit haben alle Abstand gehalten und vor dem Laden gewartet, bis sie rein durften. Niemand hat gemeckert und kleinere Probleme wurden einfach weggelächelt oder mit einem Spruch entschärft. So funktioniert das Zusammenleben gut.“ Auf ihrer Facebookseite hat sie ein dickes Dankeschön an ihre Kunden gepostet. „Das Ordnungsamt war auch zufrieden“, sagt sie. Äußerlich sichtbar ist die neue Situation lediglich an den schwarz-gelben Klebestreifen auf dem Fußboden, die den Abstand der Wartenden markieren sollen.

Der Aufwand, die Regale zu füllen, ist zur Zeit wesentlich größer

Ansonsten sieht es hier aus, wie immer. Die Regale sind gut bestückt mit allem, was es auch sonst im Dorfladen zu kaufen gibt. Konserven, Mehl, Zucker, Küchenrollen, Zigaretten, Eier, Milch und vieles mehr sind vorhanden. Keine Unmengen, aber auch nicht weniger als sonst. Allerdings sei derzeit der Aufwand, die Regale zu füllen, wesentlich größer als normalerweise. „Aus wirtschaftlichen Gründen kaufe ich einen Großteil meines Angebots im Supermarkt ein“, erklärt Gesa Namken. „Doch da komme ich mir mittlerweile vor, wie die vielen Hamsterkäufer, wenn ich größere Mengen kaufe. Falls es die überhaupt noch gibt. Und wenn ich dann doch mal ein paar Päckchen Trockenhefe oder Toilettenpapier ergattert habe, verstecke ich sie ganz unten im Korb, damit niemand sie mir da wieder raus nehmen kann.“

Auch die Ladenbesitzerin bekommt Im Supermarkt nur die rationierten Mengen, etwa eine Packung Toilettenpapier. „Wenn ich die dann in den Laden stelle, ist sie auch gleich wieder weg.“ Gelegentlich helfen ihr dann ihre guten Kontakte zu den Marktleitern, die dann mal ein Auge zudrücken. „Teilweise finde ich diese Mindestabgaben auch kontraproduktiv, weil zum Beispiel Großfamilien dadurch ja dann öfter einkaufen gehen müssen“ , sagt sie.

Sie selbst ist täglich unterwegs, um die Regale immer wieder auffüllen zu können. In der Mittagspause, wenn der Dorfladen geschlossen hat, fährt Gesa Namken zum Einkaufen in die Supermärkte und zum Großhändler. Oft ruft sie vorher an, ob das Gewünschte vorhanden ist, um Wege zu sparen. „Vieles gibt es zur Zeit einfach nicht mehr“, sagt sie. „Mehl und Trockenhefe etwa.“ Nudeln seien nur noch im 10-Kilo-Sack erhältlich. Ihre Lagerkapazitäten seien aber begrenzt, so dass sie größere Mengen gar nicht einkaufen könne.

Eier sind besonders begehrt

Auch Eier gingen derzeit weg wie sonst nur ihre frisch gebackenen Brötchen. „Mein Eierlieferant vom Geflügelhof liefert aber nur zweimal in der Woche. Also fahre ich an Markttagen früh um fünf zum Markt, um ein paar Stiegen Eier für meine Kunden zu besorgen.“ Wenn sie merke, dass ein Artikel im Laufe des Tages ausverkauft ist, dann fahre sie auch spät abends noch los, um ihn im Supermarkt oder im Großhandel zu besorgen. „Ich mag es nicht, wenn sich Lücken im Regal bilden.“ Auch wenn die Kunden Wünsche an sie herantragen nach Dingen, die sie selbst nirgendwo bekommen können, versucht sie, diese bei ihren Einkaufstouren mitzubringen. Gesa Namken ist für ihre Kunden da, nicht nur in der Corona-Krise, aber jetzt doch ganz besonders. „Viele Kunden bestellen bei mir per Whatsapp die Brötchen für das Wochenende und manchmal dann eben auch andere Dinge“, sagt sie. „Die besorge ich dann und die Kunden holen sie im Geschäft ab.“

Ausliefern könne sie verständlicherweise nicht, denn sie stehe ja den ganzen Tag im Laden oder sei auf Einkaufstour. „Nur in ganz wenigen Ausnahmefällen bringe ich die Einkäufe rum, aber dann erst nach Feierabend.“

Walburg DittrichSonderthemen

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