Frage: Herr Diers, das Jahr eins nach dem 150. Geburtstag der Stadt hat begonnen. Was ist für 2020 vorgesehen?
Michael Diers: Die festen großen Veranstaltungen sind gesetzt. Das „Wochenende an der Jade“ soll ein paar Punkte aus dem „Tag der Niedersachsen“ übernehmen, das StreetArt-Festival feiert seinen 10. Geburtstag, der Sailing-Cup kann vielleicht wieder viel mehr Traditionssegler im Hafen empfangen, der Stadtpark feiert seinen 100. Geburtstag und Rüstersiel seinen 500., da unterstützen wir gerne.
Frage: Ein Publikumsrenner war auch „Wilhelmshaven leuchtet“.
Diers: Im November soll die Veranstaltung in „Willumina“ umbenannt und weiterentwickelt werden. Wir wollen einen kleinen Rundgang durch die Stadt aufbauen und auf diesem zu zwei, vielleicht drei größeren Plätzen, sollen Lichtobjekte stehen. Wir sind aktuell mit einigen Betrieben und auch mit der Fachhochschule im Gespräch, ob sie sich vorstellen können, einmal im Jahr ein größeres Lichtobjekt zu bauen. Und diese sollen dann zur „Willumina“ aufgestellt werden. Es kann zu einer herausragenden Lichtveranstaltung werden, ohne Raketen oder Böller, auch kann es zu einer Abendveranstaltung werden, bei der die Gastronomie, die Hotellerie, der Einzelhandel große Gewinner sein können, denn in anderen Städten in Europa ist es ein sehr emotionales und stark frequentiertes Fest. Das gelingt aber nur mit der entsprechenden Unterstützung und es braucht, bis es viele Menschen aus der Region und darüber anzieht.
Frage: Wilhelmshaven liegt am Weltnaturerbe, steht als Hafenstadt im Blickpunkt. Wie kann und muss die Stadt in den Bereichen noch attraktiver werden?
Diers: Gerade der Südstrand als unser Aushängeschild muss mehr Ausstrahlung bekommen. Zudem wünschenswert: eine dauerhafte Buslinie, Parkgebühren am Südstrand erhöhen, Parkzeiträume neu gestalten, die „Maritime Meile“ aufpeppen. Wir müssen uns mehr auf Familien einstellen und uns an alle Generationen richten. Wir haben die einmalige Chance und die Pflicht, als Weltnaturerbe-Anrainer, Vorreiter für ein deutliches Bewusstsein für die Ökologie in allen Lebensbereichen zu sein – ein schöner Vorsatz für dieses Jahr. Die Genehmigung für den Bau der Dusche am Südstrand ist da und wird umgesetzt, wenn die Hochwassergefahrperiode beendet ist. In dieser Saison wird es zum ersten Mal zwei Rollstuhlstrandkörbe am Südstrand geben. Und wir wollen eine App freigeben, die Einheimische wie Touristen nutzen können mit Daten aller Art (Tidezeiten, Veranstaltungstermine, Wetter und Sehenswürdigkeiten). Dazu kommt auch unser Flyer, an dem wir gerade arbeiten, mit „Geheimtipps“ in einem weiteren Umkreis.
Frage: Welche Themen werden die WTF noch beschäftigen?
Diers: Stadthalle, Pumpwerkausbau, Museumsschiffe, Bontekai Promenade, Attraktivitätssteigerung von Kunsthalle, Küstenmuseum (neue Dauerausstellung) und JadeWeserPort–Info-Center, die touristische Entwicklung und die Umsetzung des Tourismuskonzeptes. Das muss finanziert werden – in Zeiten knapper Kassen stehen schwierige Gespräche an.
Frage: Der Veranstaltungstourismus ist weltweit zum starken Erlebnisfaktor und Anreisefaktor geworden. Wie kann Wilhelmshaven teilhaben?
Diers: Zum Beispiel einen Indoorsport- und Erlebnispark, eine Jugendherberge am Banter See, ein StreetArt- und PopArt-Museum. Das alles funktioniert aber nur, wenn wir uns auf eine Ganzjahressaison ein- und umstellen, wobei der Sommer immer unsere touristische Hochzeit bleiben wird. Ich würde mir einen Museumshafen wünschen, aber die Planungen für den Bontekai sind intensiv vorangebracht worden, da werde ich mich nicht in den Weg stellen. Auch halte ich am Stadthallenbau am Banter See fest. Die Chancen für die Zukunft liegen am Wasser und dort können wir am idealsten Tagungen, Messen und Veranstaltungen organisieren. Wilhelmshaven braucht mehr Ausstrahlung und Flair. Deswegen halte ich auch eine Landesgartenschau 2026 in Wilhelmshaven für eine hervorragende Chance.
Frage: Das klingt nach teuren Investitionen.
Diers: Stimmt, aber diese Investitionen müssen sowieso getätigt werden, um ein gutes Klima für willige Investoren zu schaffen. Das hat ja nicht nur etwas mit Unterhaltung und Zeitvertreib zu tun, das ist pure Wirtschaftsförderung. Ein Investor ist sicherlich eher bereit, in einer attraktiven Stadt zu investieren. Auch zieht das wieder mehr Menschen in die Stadt, die vielleicht auch in Wilhelmshaven wohnen wollen, auch weil sie hier arbeiten. Wir können so außerdem dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Maik MichalskiLeitung Lokalredtion

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