Wilhelmshaven Ruck, zuck ist es passiert: Beim Ausparken vor dem Supermarkt kurz den Nebenmann touchiert und einfach weggefahren. Wird schon nicht so schlimm gewesen sein, denkt sich mancher Autofahrer.

Von wegen: „Wenn Sie so handeln, begehen Sie eine Fahrerflucht gemäß Paragraf 142 Strafgesetzbuch – unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“, so Dominik Tjaden, Verkehrssicherheitsberater von der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland. „Fahrerflucht ist kein Kavaliersdelikt, es ist eine Straftat.“

Aber wie verhält man sich richtig und wann begeht man eine Fahrerflucht? Tjaden: „Halten Sie nach einem möglichen Unfall, etwa dem Schneiden oder Berühren eines anderen Fahrzeugs, nicht sofort an, machen Sie sich strafbar. Sie dürfen auch nicht erst 100 Meter weiterfahren und dann anhalten oder bei einem Unfall vor der eigenen Wohnungstür zunächst kurz ins Haus gehen, um den Schreck zu verdauen. Nichts von alledem: In dem Moment, in dem Sie als Unfallverursacher einfach weiterfahren, begehen Sie eine Unfallflucht!“

Und so verhält man sich nach einem Unfall richtig: Anhalten. Das Gesetz verpflichtet jeden, der am Unfall beteiligt ist, sofort anzuhalten.

Unfallstelle sichern: „Schalten Sie die Warnblinkanlage ein und stellen Sie das Warndreieck auf,“ rät Tjaden. Das Warndreieck sollte auf Landstraßen mindestens 100 Meter vor der Unfallstelle stehen, auf Autobahnen mindestens 200 Meter davor.

Erste Hilfe leisten. „Unterlassene Hilfeleistung ist strafbar“, warnt Tjaden. Beteiligte sind verpflichtet, im Rahmen ihrer Möglichkeiten und Kenntnisse Verletzten zu helfen. Das Minimum dabei: Den Notruf 112 wählen und Alarm schlagen. Tjaden: „Alarmieren Sie die Feuerwehr, falls es Verletzte gibt, oder bitten Sie notfalls andere darum.“

Unfall melden. Wenn ein Beteiligter es fordert, muss der Unfall polizeilich aufgenommen werden. Anrufer sollten zu den sechs „W“-Fragen Auskunft geben: Wer meldet? (Name und Standort). Wo ist es passiert? (Genauer Unfallort). Was ist passiert? (Kurze Schilderung des Unfalls). Wie viele Verletzte gibt es? Welche Verletzungen liegen vor? Was will der Notrufsprecher wissen?

Fahrbahn räumen und Spuren sichern. Bei Bagatellunfällen mit geringen Sachschäden sollten die beteiligten Fahrzeuge beiseite gefahren werde, um den Verkehr nicht zu behindern.

Wichtige Daten notieren. Als Beteiligter sollte man Fotos von den Schäden machen, eine Unfallskizze anfertigen und wichtige Daten notieren. Aus Sicht von Tjaden gehören dazu unbedingt Zeit und Ort des Unfalls, Name, Anschrift und Telefonnummer des Unfallgegners, das Autokennzeichen und der Name des Halters, Versicherungsdaten und die Kontaktdaten möglicher Zeugen.

Und wie lange muss an einer Unfallstelle warten, wenn man zum Beispiel ein parkendes Auto touchiert hat? „Je nach den Umständen 30 bis 60 Minuten“, so Tjaden. Gegebenenfalls sollte man einen Geschädigten in einem Supermarkt ausrufen lassen oder an der Haustür klingeln, vor der der Wagen steht. „Lediglich einen Zettel mit den eigenen Daten an die Windschutzscheibe zu klemmen, reicht aber auf keinen Fall aus“, sagt Tjaden. Alternativ wäre es ratsam, umgehend die Polizei zu informieren, wenn man den Geschädigten nicht finden kann.

BUSSGELD

Wer eine Fahrerflucht begeht, dem droht im schwerwiegendsten Fall eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Verkehrsrechtliche Sanktionen richten sich nach der Höhe des Schadens: Geldauflagen, bis zu drei Punkte in Flensburg und Fahrverbot.