Wangerooge Da, wo sonst rund 1400 Strandkörbe stehen, passen jetzt nicht mal mehr 100 Stück hin. Denn fünf aufeinanderfolgende Sturmfluten durch Sturmtief „Sabine“ haben in den vergangenen Tagen Zehntausende Kubikmeter Sand auf Wangerooge abgetragen, der Badestrand ist damit nahezu vollständig weg. Bis die Sommergäste wieder auf die Insel kommen, muss der Strand wiederhergestellt sein, denn: „Ohne Strand kein Tourismus. Würden wir auf den Strand verzichten, würden wir Millionen Euro Einbußen machen, das wäre ein totaler volkswirtschaftlicher Schaden“, erklärte Bürgermeister Marcel Fangohr.

Er schätzt, dass der Strand zu mindestens 80 Prozent weg ist. „Wir bräuchten 80.000 Kubikmeter Sand für die Wiederherstellung, das würde etwa 400.000 bis 500.000 Euro kosten.“ Zuletzt wurde der Hauptstrand durch aufwendige Auffahrmaßnahmen mit Sand aus dem Inselosten aufgefüllt. „Doch diese Sandentnahmestelle hat sich vermutlich nicht erholt“, befürchtete Fangohr, der dort eine Reserve von 30.000 Kubikmetern vermutet, und selbst die „würde nicht reichen“. Im schlimmsten Fall müsse ein Notfallplan her, zum Beispiel könnte weniger Sand aufgeschüttet werden. Statt eines barrierefreien Zugangs mit Sand müssten dann Bretter genutzt werden. So weit will Fangohr aber noch nicht denken. Umso erfreulicher war für ihn am Donnerstag ein Anruf des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Jade-Weser-Nordsee. Ein Mitarbeiter des WSA habe ihm von einer seit Anfang der 1990er-Jahre bestehenden Genehmigung berichtet, die die Inselkommune und das WSA einst geschlossen haben. Diese Genehmigung erlaube der Insel, in einer jeweils zugewiesenen Fläche in der Bundeswasserstraße Sand zu entnehmen, erläuterte Fangohr, der zum ersten Mal von dieser Abmachung hörte: „Das war mir so nicht bewusst.“

Seinen Angaben zufolge hätten auch der Landkreis Friesland und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) nichts von dieser Genehmigung gewusst. „Bis 2016 haben wir auch noch Sand von den der Insel vorgelagerten Sandbänken genutzt, in den Jahren danach wurde uns das ohne Grund verwehrt“, erinnerte sich Fangohr. „Jetzt müssen wir nur anzeigen, wie viel Sand wir brauchen, und dann wird beim WSA hausintern entschieden.“ Da die Sandbänke, von denen der Sand genommen werden soll, im Nationalpark liegen, müsse auch die Nationalparkverwaltung ins Boot geholt werden. „Stand jetzt wissen wir nicht, wie viel Sand wir von der Sandbank bekommen, aber diese Lösung hat Vorrang für uns“, betonte der Inselbürgermeister.

Letzlich wäre natürlich eine langfristige und nachhaltige Lösung wünschenswert, sagte Fangohr, doch: „Solange wir keine andere Möglichkeit finden, werde ich immer Sand fahren, egal was die Leute sagen. Denn ohne Strand sind auf der Insel Existenzen gefährdet.“

Wie groß der Schaden am Hauptstrand und an den Küstenschutzanlagen auf Wangerooge sei und wie viel Sand benötigt werde oder überhaupt zur Verfügung stehe, müsse noch genau ermittelt werden. Erste Ergebnisse will der NLWKN heute veröffentlichen. Anfang März sollen per Drohnenflug weitere Daten auf Wangerooge ermittelt werden.

„Neben dem Sturmflutschutz für die Inseln selbst kommt diesen als vorgelagerten natürlichen Wellenbrechern innerhalb des Küstenschutzsystems eine besondere Sicherungsfunktion auch für die Festlandküste zu“, erklärte Carsten Lippe vom NLWKN. Wangerooge sei als östlichste der Inseln Stürmen noch stärker ausgesetzt, als die anderen. Der Sturmflutschutz für Wangerooge sei aktuell nicht gefährdet, ergänzte Lippe. „Hinter dem Badestrand nachgelagert befindet sich ein massives Deckwerk, welches die Insel schützt.“ Das ist aktuell an einigen Stellen freigelegt.

Weitere Nachrichten:

Landkreis Friesland | WSA | NLWKN | Sturmtief Sabine

Ihre Meinung

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.