Wangerooge Die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Wangerooge am Samstag im Restaurant „Strandlust“ war geprägt vom Thema Pflichtfeuerwehr, die der Insel seit einigen Wochen droht, weil zu wenige Mitglieder aktiv sind. Eine Satzung zur Einrichtung einer Pflichtfeuerwehr, die es ermöglicht, dass geeignete Bürger der Insel zum Dienst verpflichtet werden können, liegt bereits seit 2011 vor. Im Dezember wurde sie von Inselverwaltung, Gemeinderat und Gemeindebrandmeister konkretisiert und angepasst.

Die erforderliche Sollstärke einer Stützpunktfeuerwehr von 26 aktiven Mitgliedern wird auf Wangerooge in diesem Jahr voraussichtlich nicht erreicht. Gezählt werden derzeit nur 17 aktive Mitglieder. Zwar stehen für die Aktivenabteilung insgesamt 36 Mitglieder auf dem Papier, von denen kommen aber nicht genügend zu den Übungsdiensten. Einsatzkräfte aus den Nachbargemeinden bei Brand- und Katastropheneinsätzen auf die Insel zu holen, wie es am Festland gang und gäbe ist, ist aufgrund der Insellage nur bedingt möglich – bei ungünstigen Wetterlagen sogar unmöglich. Dann wäre die Wangerooge Feuerwehr auf sich allein gestellt.

„Niemand will eine Pflichtfeuerwehr auf Wangerooge“, darin waren sich Inselbürgermeister Marcel Fangohr, Gemeindebrandmeister Torsten Stumpf, Kreisbrandmeister Gerhard Zunken und Landrat Sven Ambrosy am Samstag einig. Sie appellierten einmal mehr sowohl an diejenigen, die nicht mehr zu den Diensten kommen, als auch an junge Bürger, sich bei der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren, um eine drohende Pflichtwehr zu vermeiden.

Erste Reaktionen auf die Aufrufe und Appelle der vergangenen Wochen hat es bereits gegeben, berichtete Stumpf. Vor einigen Tagen hätten sich drei neue Mitglieder gemeldet und zwei Mitglieder, die zuletzt wenig aktiv waren, hätten signalisiert, sich wieder mehr beteiligen zu wollen. Zudem habe es weitere Bekundungen gegeben, sich der Wehr anzuschließen. Doch damit ist das Thema Pflichtfeuerwehr noch nicht vom Tisch.

Die Einberufung einer Pflichtwehr würde circa ein Jahr dauern, die Ausbildung neuer Mitglieder circa zwei Jahre. Darum würde eine Verpflichtung zunächst diejenigen treffen, die zuletzt aus der Inselwehr ausgetreten oder den Diensten ferngeblieben sind, da diese über die notwendige Ausbildung verfügen.

Drei junge Mitglieder, die zuletzt aktiv an den Diensten teilnahmen, haben zu Jahresbeginn die Inselwehr aus beruflichen und persönlichen Gründen verlassen. Zu dieser Entscheidung hat auch deren Wohnsituation beigetragen. Die Gemeindeverwaltung und der Rat möchten daher positive Anreize schaffen, damit sich Wangerooger Bürger für den ehrenamtlichen Dienst bei der Feuerwehr entscheiden und auf der Insel bleiben. Etwa durch die Einführung einer Ehrenamtskarte, durch die alle ehrenamtlichen Rettungskräfte auf der Insel Vergünstigungen erhalten könnten: freier Eintritt ins Schwimmbad sowie ins geplante Fitnessstudio in der „Oase“, Vorrang bei der Vergabe gemeindeeigener Wohnungen, kostenlose Fährfahrten mit der Schifffahrt und Inselbahn Wangerooge sowie kostenlose Flüge mit Frisia-Luftverkehr (FLN), Lebensmittelgutscheine in Supermärkten, Förderung der Führerscheine CE und B und Mietzuschüsse.

Angesichts der dünnen Personaldecke, könne man froh sein, dass die Inselwehr 2019 zu keinen nennenswerten Einsätzen ausrücken musste, sagte Stumpf. Von den zehn gemeldeten Bränden handelte es sich bei vieren um Kleinbrände, es brannten zwei Mülltonnen, ein Holzstapel und ein Saunaofen. Die weiteren sechs Meldungen waren Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen. 2019 wurden 229 Einsatzstunden geleistet – neben den zehn Brandeinsätzen auch 36 Hilfeleistungen. Geleistet wurden zudem 67 Übungsdienste und allgemeine Dienste mit 1863 Stunden.

Erfreuliches gab es von der Jugendfeuerwehr: Seit 2018 ist Norbert Fliegenschmidt Gemeindejugendwart, und er berichtete von einem Mitgliederzuwachs. Nachdem es 2018 einen Abwärtstrend gab, wuchs die Jugendwehr 2019 um vier neue Mitglieder auf 14 (vier Mädchen, zehn Jungen) an.

Die Inselfeuerwehr lädt erneut alle Bürger, die Interesse haben und für den Feuerwehrdienst infrage kommen, für Samstag, 14. März, ab 17 Uhr ins und ums Feuerwehrhaus zu einem Grillabend ein. Bürgermeister Marcel Fangohr stellt sich für diese Veranstaltung als Grillmeister zur Verfügung.

Notizen zur Jahreshauptversammlung

Ehrung:Eine zivile Ehrung wurde Kriminalhauptkommissar i. R. Fritz-Helmut Bremer zuteil. Für seine Verdienste um die Feuerwehr Wangerooge erhielt der ehemalige „Inselsheriff“, der im November in Rente gegangen war, von Gerhard Zunken und Torsten Stumpf die Niedersächsische Feuerwehr-Ehrenmedaille des Landesfeuerwehrverbandes.

Dank:Marcel Fangohr dankte den Einsatzkräften, dass trotz der dünnen Personaldecke Veranstaltungen wie das Osterfeuer, das Aufstellen des Maibaumes und der Tag der Offenen Tür trotzdem stattfanden, da sie für die kleine Inselgemeinde auch aus touristischer Sicht wichtig seien.

Spende:Polizeioberrat Peter Beer überreichte Torsten Stumpf eine 400-Euro-Spende für die Jugendfeuerwehr.

Einladung: Hauptmann Erwin Bremer vom Taktischen Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ lud die Inselwehr für den 5. September ein. Dann wird die Partnerschaft der Inselgemeinde und des Geschwaders gefeiert, die sich in diesem Jahr zum 25. Mal jährt.

Solidarität: Damit die Inselwehr an der Partnerschaftsfeier teilnehmen kann, stellt die Freiwillige Feuerwehr Sande den Brandschutz auf der Insel sicher, kündigte Sandes Gemeindebrandmeister Peter Hoffbauer an. Die Solidarität unter den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Friesland ist groß, erstmals nahmen neben Peter Hoffbauer auch die Gemeindebrandmeister Eike Eilers (Wangerland) und Stefan Eilers (Zetel) an der Jahreshauptversammlung der Inselwehr teil.