Wangerooge In der Urlaubssaison strömen Tausende von Touristen auf die Insel – und mit ihnen wachsen die Müllmengen. Dann sieht man das Sammelfahrzeug der Firma Inselentsorgung Fred Zoeke täglich durch die Straßen des Dorfes fahren. „Im Sommer fallen gut doppelt so viele Abfälle an wie im Winter“, erzählt Geschäftsinhaber Frank Zoeke.

Von Montag bis Freitag werden vormittags die Tonnen geleert. Im Winter, wenn die Urlauber die Insel verlassen haben, reicht es, dreimal pro Woche abzufahren. „Mittags um 13 Uhr ist meist Schluss mit der Abfuhr im Dorf, was im Sommer allerdings nicht immer klappt“, berichtet Zoeke. Danach gehe es mit den anderen Dienstleistungen weiter: die Abfuhr von Glas, Sperrmüll, Gewerbemüll oder Speiseresten aus den Küchen der Heime und Hotels. Am Nachmittag sei außerdem die Umschlagstation am Westrand des Dorfes für private Anlieferungen geöffnet, wo entsprechende Container bereitstehen.

Ähnlich wie am Festland werden Restmüll und Wertstoffe in 14-täglichem Rhythmus abgeholt, wobei der Ort in vier Abfuhrbezirke unterteilt ist. Die blaue Tonne mit dem Papier ist im Landkreis alle vier Wochen dran, nicht jedoch auf Wangerooge. Sie steht jede Woche an der Straße. „Wegen der Insellage sind alle Anlieferungen deutlich besser verpackt“, erklärt Frank Zoeke. „Hinzu kommt, dass hier auch viel im Internet gekauft wird.“ Eine braune Biotonne lohne sich auf der Insel nicht. Gartenabfälle bringen die Wangerooger selbst zur Umschlagstation.

Unterwegs mit einem kleinen Müllsammelfahrzeug

Bei dem kleinen Müllsammelfahrzeug handelt es sich um einen Hecklader, der mit drei Personen besetzt ist. Ein Mitarbeiter steuert den Wagen, die anderen beiden schieben die Tonnen an den Lifter. „Ein Seitenlader wie auf dem Festland würde hier nicht funktionieren, weil die Straßen viel zu eng und uneben sind, ein korrektes Positionieren der Tonnen ist kaum möglich“, erläutert der Firmenchef, und oft genug werden sie auch vom Wind verschoben. So lange an dem Fahrzeug keine Störungen auftreten, funktioniert das Sammelsystem. „Gibt es technische Probleme, geraten wir zeitlich mal ins Hintertreffen, was aber wieder aufzuholen ist. Deshalb ein zweites Fahrzeug als Ersatz anzuschaffen, würde sich nicht rechnen“, sagt der Unternehmer.

Die Abfälle werden dann zur Müllpressanlage gebracht, die sich auf der Umschlagstation befindet. Der Landkreis Friesland hat die Anlage 1989 gebaut, betrieben wird sie von der Firma Zoeke. Der Müll wird nach Fraktionen getrennt und in geschlossenen Containern gepresst. Die Bahn befördert die Behälter über den eigenen Gleisanschluss der Müllpressanlage zum Hafen. Mit dem Frachtschiff geht es weiter nach Harlesiel. „Ab Kaimauer Harlesiel ist der Müll dann Sache der jeweils vom Landkreis mit der Entsorgung beauftragten Firma“, so Frank Zoeke.

Bis in die 1980er-Jahre hinein landete der Müll der Inselbewohner auf einer Deponie. Als sie geschlossen wurde, erhielt sie eine dicke Sandabdeckung, auf der die Umschlagstation entstand. Die älteren Wangerooger erinnern sich sicherlich noch an den von Pferden gezogenen Müllwagen, auf den ihre „Ascheimer“ von Hand entleert wurden. Seit 1968 ist die Firma Zoeke mit der Entsorgung beauftragt. „Damals übernahm mein Vater Fred Zoeke von der Gemeinde einen alten MAN-Müllwagen“, weiß Sohn Frank noch. Von Mülltrennung war zu der Zeit noch keine Rede. Seit 1992 führt er nun schon die Geschäfte der Firma, die zusätzlich drei Mitarbeiter beschäftigt. Restmüll, Pappe/Papier und Wertstoffe entsorgt Zoeke im Auftrag der jeweiligen Vertragspartner des Landkreises. „Es ist einfacher, wenn das ein Inselunternehmen macht. Die Abwicklung auf der Insel und der Frachtumschlag sind doch speziell“, sagt der Inhaber.

Entsorgung in Eigenregie der Firma

Zur Müllentsorgung auf der Insel gehören natürlich nicht nur die Fraktionen Restmüll, Papier, Wertstoffe, Sperrmüll und Glas. Gewerbliche Abfälle müssen ebenfalls von der Insel geschafft werden, und das geschieht in Eigenregie der Firma. Dafür stehen spezielle Elektrokarren mit Absetzkippern zur Verfügung, die Zoeke eigens für diesen Zweck hat fertigen lassen. Mit dem Glaswagen werden die Glas-Iglus abgeholt und an der Umschlaganlage geleert. „Senkomat“ nennen Frank Zoeke und seine Mitarbeiter die beiden Fahrzeuge für den Sperrmüll, in die größere Teile mit der Sackkarre hineingefahren werden können. Für Gewerbemüll, der vor allem auf den Baustellen anfällt, stellt Zoeke Container zur Verfügung. Er übernimmt auch ihren Transport von der Baustelle zum Abfallwirtschaftszentrum in Wiefels und zurück.

Restmüll, Pappe/Papier und Wertstoffe fallen in größeren Mengen im Sommer an, im Winter ist mehr Sperrmüll zu entsorgen. „Dann wird hier viel renoviert, mit kaputten Waschmaschinen oder Kühlschränken fliegen auch alte Möbel raus“, erzählt Frank Zoeke. Und es wird groß gebaut, denn während der Saison sind bestimmte Bautätigkeiten untersagt. Entsprechend sind bis ins Frühjahr hinein viele gewerbliche Abfälle einschließlich Bauschutt zu entsorgen.

Durch die Corona-Pandemie sei dieser Geschäftszweig eingebrochen, berichtet der Unternehmer, denn Handwerkern war der Zugang zur Insel über Wochen verboten. Die 35 neuen Container, die Frank Zoeke vor der Krise bestellt hatte, werden nun wohl doch gebraucht, zumal die Bauzeiten verlängert wurden. Als unsere Zeitung mit dem Firmenchef sprach, sagte er: „Das Telefon steht heute nicht still. Es läuft wieder an.“

Dörte SalveriusFreie Mitarbeiterin

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