Spiekeroog „Es war ein ruhiger Aufgalopp – ohne Probleme“, sagt Spiekeroogs Bürgermeister Matthias Piszczan nach den ersten Lockerungen in Zeiten der Corona-Pandemie. Seit dem 11. Mai dürfen Feriengäste und Zweitwohnungsbesitzer wieder auf die Insel. „Es kommt wieder Leben in die Bude.“

In den Wochen nach dem Shutdown sei die Situation hingegen sehr „bedrückend“ gewesen. „Es war wie im Winter: Nur Insulaner, kein Plausch an der Ecke, kein Austausch. Jetzt herrscht wieder Leben in den Straßen auf der Insel“, sagt der Bürgermeistermeister.

Am ersten Wochenende nach den Lockerungen kamen etwa 500 Ferienwohnungsgäste und einige Zweitwohnungsbesitzer. Insulaner, Vermieter, die Gastronomie und der Einzelhandel hatten sich nach den Vorgaben der Landesregierung vorbereitet. „Angedachte Abläufe in den Geschäften wurden immer wieder überprüft. Jeder musste sich selbst finden – immer mit dem Ziel aller, einen erneuten Shutdown zu vermeiden“, so Piszczan. Gerade in der Gastronomie habe sich ein starkes Miteinander entwickelt. Einige Gastronomen hätten gefragt: „Können wir das so machen?“

Nadelöhr zur Insel Spiekeroog, aber auch zu den anderen Ostfriesischen Inseln, ist die Schifffahrt. Im Augenblick bereitet sich Spiekeroog, wie schon zu Himmelfahrt, auf die nächste Anreisewelle zu Pfingsten und weitere Lockerungen vor. Auch auf den Fähren gilt es, Abstand zu halten und Hygienevorschriften zu beachten. Das Tragen einer Mund-Nase-Abdeckung ist inzwischen obligatorisch. „Unsere Gäste sind positiv gestimmt und froh, hier sein zu dürfen – nach gut neun Wochen Insel-Verzicht“, so der Bürgermeister.

Und auch die Insulaner sind froh, dass der Tourismus als wichtigste und fast einzige Einnahmequelle Spiekeroogs wieder Fuß fasst. Das sei für viele auch bitter nötig. „Durch die Pandemie und den Shutdown fehlen in den Gastronomiebetrieben und in der Vermietung etwa ein Drittel der Jahreseinnahmen“, sagt Matthias Piszczan.

Nach den Ungereimtheiten um den Paragrafen 7a der neuen Landesverordnung und den noch ausstehenden Nachbesserungen bezüglich der Belegungsfrist wisse man noch nicht genau, was Pfingsten möglich sein werde.

Unmittelbar zu Beginn der Krise – der Shutdown kam am 25. März – habe sich auf Spiekeroog eine große Hilfsbereitschaft aufgebaut, für Risikopersonen, für ältere Insulaner. Lieferdienste wurden ins Leben gerufen. „Das hat das Wir-Gefühl auf bemerkenswerte Weise gesteigert“, freut sich der Inselbürgermeister. Besonders deutlich geworden sei das durch die Bildung der Gruppe „Wir für Spiekeroog“ mit vielen nützlichen Informationen von Gewerbetreibenden für Gewerbetreibende. „Das hat spontan gut funktioniert. Das Miteinander ist gelebt worden“, so Matthias Piszczan.

Doch es gab zurückblickend auch andere Momente. Der Shutdown beziehungsweise das Betretungsverbot für die Inseln hatte die auf Spiekeroog arbeitenden Handwerker vom Festland getroffen. „Auf Spiekeroog mussten sie für eine Woche pausieren während ihre Kollegen auf der Nachbarinsel weiterhin arbeiten durften“, erinnert Pis-zczan. Fragen zu einer kritischen Infrastruktur und nach der Realisierung von Dauerwohnraum waren die Folge. Der Landkreis Wittmund hat die zu diesem Zeitpunkt geltende Verfügung dann auch für Spiekeroog wieder aufgeweicht. Doch als die Handwerker vom Festland wieder auf die Insel durften, wurden sie von einzelnen Insulanern zunächst verbal scharf angegangen. Wohl aus Sorge, das Virus könnte nun durch sie den Weg auf die Insel finden. „Doch zum Glück für alle hat sich die Situation dann relativ schnell wieder beruhigt“, sagt Pis-zczan. Betroffen von den Verordnungen der Landesregierung zur Abwehr einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus waren er beziehungsweise sechs von sieben Inselbürgermeistern, darunter eine Bürgermeisterin, auch selbst. Ehegatten oder Lebenspartner leben auf dem Festland. Auch sie durften vorübergehend nicht auf die Inseln.

Auf die Frage „Wie es jetzt weitergeht? sagt Spiekeroogs Bürgermeister: „Das ist Kaffeesatzleserei. Wir müssen uns fast täglich auf Neues einstellen und darauf reagieren.“ Nach jetzt weiteren Lockerungen besonders im Tourismus, unter anderem für Hotels und Restaurants, hofft er, dass mit den von der Landesregierung für den 8. Juni ins Visier gefassten weiteren Bestimmungen dann auch der für Spiekeroog und seine Gäste wichtige Kulturbetrieb wieder anlaufen kann.

Klaus HändelLokalredaktion

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