Sande /Schortens /Jever Donnerstagvormittag im Combi-Markt am Ortseingang Heidmühle: Große Streifen Paketband auf dem Fußboden bremsen mich auf dem Weg zur Kasse aus. „Abstand halten“, wurde mit Edding auf die Streifen geschrieben.

Klebeband als Grenze

Die Kassierer tragen Handschuhe und Schilder bitten darum, möglichst mit EC-Karte zu zahlen. Ich schiebe meinen Einkaufswagen vorwärts. Den Griff habe ich zuvor mit einem Desinfektionstuch gereinigt, die gibt es aus einem Spender am Eingang. Das Klebeband erfüllt seinen Zweck: Hinter mir, vor mir – die Kunden bleiben brav in ihrem abgeklebten Quadrat. Ich zahle mit Karte, Kassenbon lehne ich ab. Fertig.

Einkaufen in Zeiten von Corona – das fühlt sich befremdlich an. Auch jenseits leerer Klopapierregale. Die Lebensmittelgeschäfte sind weiterhin geöffnet, müssen sich aber auf fachliche Weisung des Landes an konkrete Auflagen zur Hygiene halten, sollen den Zutritt steuern und insbesondere lange Warteschlangen an den Kassen vermeiden. Noch gibt es aber Probleme – und die Vernunft der Kunden lässt zu wünschen übrig. Sollte sich die oberste Prämisse doch längst herumgesprochen haben: Abstand halten!

Es wird gedrängelt

Anderthalb Meter sollen es sein. Auch ohne Klebeband. An den Kassen vieler Supermärkte ist davon aber nichts zu spüren. Insbesondere in jenen, die an diesem Vormittag noch keine Markierungen vor den Kassen angebracht haben. Zum Beispiel in einem Discounter am Marktplatz in Sande. Ich lasse an der Kasse ausreichend Luft zwischen mir und der älteren Dame vor mir. „Ob sie gar nicht mehr mit Bargeld zahlen kann“, will die Rentnerin von der Kassiererin wissen. Sie habe nämlich keine EC-Karte.

Hinter mir wird bereits aufgerückt und dezent gedrängelt. Ich bleibe standhaft. Ein Mann greift nach dem Warentrenner – für den korrekten Abstand zwischen seinem zu meinem Einkauf. Er selbst rückt mir auf die Pelle.

Andere sind da schon deutlich vorsichtiger und machen selbst zwischen den Regalen um andere Kunden einen großen Bogen. Etwa Marlene Clemens, die an diesem Vormittag ebenfalls einkauft. „Ich passe auf mich auf, darauf achtet schon mein Sohn“, erzählt die 86-Jährige. Sie trägt Einmalhandschuhe. „Die benutze ich sonst nur, wenn ich im Garten arbeite.“

Kassen gereinigt

Und was sagen die Einzelhändler? Tobias Wichmann kennt die Probleme. Das erzählt der Inhaber der beiden Edeka-Märkte in Jever meiner Kollegin, während ich noch in Sande einkaufe. Er berichtet von den Vorsichtsmaßnahmen, die getroffen wurden: Auch hier steht am Eingang zum Geschäft an der Adolf-Ahlers-Straße – nicht erst seit Corona – ein großer Spender mit Desinfektionstüchern. Mit der Abstandsdisziplin der Kunden funktioniert es aber noch nicht so gut. Abhilfe sollen rot-weiße Klebestreifen schaffen, die Wichmann bereits bestellt hat. Bis dahin sind die Verkäufer angehalten, die Kunden darauf hinzuweisen. Und: Momentan ist nur jede zweite der sechs Kassen geöffnet. Im Wechsel werden sämtliche Kassen mindestens einmal die Stunde desinfiziert: Kassenlade, Fließband, Warentrenner. Die Mitarbeiter wechseln regelmäßig ihre Handschuhe, Desinfektionstücher stehen griffbereit. Auch hier sollen die Kunden möglichst mit Karte oder kontaktlos bezahlen – also das Bargeld auf den Kassentresen legen.

Stündlich gereinigt wird auch die Kundentoilette. Der Wickeltisch darf aber nicht mehr genutzt werden. Strenge Regeln gibt es zudem für den Café-Betrieb: Der Sitzbereich ist nur noch von 7 bis 18 Uhr geöffnet, jeder zweite Tisch ist verschwunden.

Schutz für Mitarbeiter

Die Anzahl der Mitarbeiter hat Wichmann auf ein Minimum reduziert. Außerdem arbeiten immer die gleichen Kollegen in einer Schicht. „Keiner weiß ja, wie lange das noch andauert“, sagt Wichmann. Wer krank ist, bleibt zu Hause.

Noch eine Maßnahme: Lieferanten bleiben draußen, stellen Ware nur noch auf die Rampe. Mitarbeiter des Marktes räumen alles ins Lager.

Einkauf auf dem Markt

Und wie funktioniert das mit den Abständen auf dem Wochenmarkt? Das zeigt sich am Donnerstagvormittag in Sande. Hier gibt es keine Markierungen auf den Pflastersteinen – und es wird bar gezahlt. „Die meisten sind vernünftig und halten Abstand“, erzählt Jan Schweers vom Gefügelhof Onken aus Bockhorn. Da sei aber noch Luft nach oben.

wurst auf die Hand?

Am Geflügelwagen nebenan hat es indessen sogar einen handfesten Streit gegeben, weil ein Kunde keinen Abstand halten wollte. „Einige haben es immer noch nicht verstanden“, sagt Verkäuferin Christa Treichel. Erwachsene sollten sich da ruhig ein Beispiel an den Kindern nehmen. Die bekommen von Treichel sonst immer eine Wurst auf die Hand. „Das geht jetzt natürlich nicht mehr“, sagte sie und freut sich über die Reaktionen der Kleinen. Die würden einfach sagen: „Okay.“

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