Frage: Hallo Herr König, wie geht’s Ihnen gerade?
Stefan König: Soweit gut, aber ich hatte vor ein paar Tagen einen Hexenschuss und der macht mir immer noch zu schaffen. Der Sport fehlt mir einfach und das merke ich auch gesundheitlich.

In der Krise wird kein Mitarbeiter entlassen

Frage: Noch sind die Sportplätze überall in der Region leer gefegt, die Fitnessstudios, wie zum Beispiel das Top-Fit, müssen geschlossen bleiben. Was passiert denn aktuell noch hinter den Kulissen beim MTV Jever?
Stefan König: Viel. Der MTV Jever ist ja wie ein kleines Unternehmen. Wir haben Jahreseinnahmen von bis zu 600 000 Euro und 15 Angestellte. Diese arbeiten nach wie vor für uns. Wir haben uns dazu entschieden, aufgrund der Krise keinen zu entlassen. Unsere Platzwarte halten immer noch unsere Tennisplätze in Schuss. Dann gibt es unsere Geschäftsstelle, in der drei Leute und unser Bufdi tätig sind, und unsere Top-Fit-Geschäftsführerin Nadine Nutt. Die sitzt derzeit an Alternativkonzepten, wie wir unsere Mitglieder weiter mit Sport versorgen können. Ich selbst lese mehr als zuvor die Berichte in den Medien und versuche, bei den Verbänden auf dem Laufenden zu bleiben. Donnerstagabend ist zum Beispiel eine Konferenz des Kreissportbundes, an der ich teilnehmen werde. Außerdem kommunizieren wir im Verein jeden Tag und besprechen, wie es weitergehen kann. Durch die neuen Auflagen werden zusätzliche Kosten entstehen – für Desinfektionsmittel zum Beispiel – das muss alles kalkuliert werden.

10 000 Euro fehlen monatlich an Einnahmen

Frage:
Frage: Womit wir zu laufenden Kosten kommen. Wie hoch ist denn die finanzielle Belastung momentan beim MTV?
Stefan König: Von den 600 000 Euro an Einnahmen sind knapp die Hälfte Zusatzbeiträge und die müssen unsere Mitglieder gerade nicht zahlen, weil kein Sport möglich ist. Die andere Hälfte setzt sich aus den Grundbeiträgen, den Fördergeldern und Sponsorenzahlungen zusammen, die weiterlaufen. Trotzdem fehlen uns monatlich rund 25 000 Euro an Einnahmen. Gut, derzeit fallen die Beiträge für die Übungsleiter weg. Die Personalkosten unserer Angestellten laufen aber weiter, die Energiekosten, die Wasserkosten zur Bewässerung der Plätze, die Instandsetzung und vieles mehr muss weiter gezahlt werden. Setzt man das in Relation zu den Kosten die nicht anfallen, fehlen uns monatlich etwa 10 000 Euro an Einnahmen.

Sobald wie möglich Sportangebot wieder anbieten

Frage:
Frage: Was hat dies für den MTV Jever zu bedeuten?
Stefan König: Wir wollen, sobald es wieder möglich ist, unser Sportangebot wieder anbieten, so wie es erlaubt ist. Dann müssen wir schauen, wo wir noch Geld hernehmen können, das wir eigentlich für Investitionen geplant hatten – die jetzt warten müssen. Ansonsten müssen wir einen Kreditrahmen in Anspruch nehmen. Wir werden jetzt nicht aus wirtschaftlichen Gründen etwas nicht anbieten, das ist nicht in unserem Sinne.

Es fehlt an Neuanmeldungen

Frage:
Frage: Das Thema Mitgliedsbeiträge spielte in den vergangenen Wochen auch eine große Rolle. Haben Sie zum Quartalsende mehr Kündigungen erhalten als sonst?
Stefan König: Gott sei Dank nicht. Klar haben auch Mitglieder gekündigt, aber in jedem Quartal erhalten wir rund 100 Kündigungen. Dieses Mal fehlten einfach nur die Neuanmeldungen. Wir sind aber sehr froh, dass sich die überwiegende Mehrheit unserer Mitglieder solidarisch zeigt und uns die Treue hält. Das freut uns sehr. Man merkt, dass jedem der gemeinsame Sport als soziale Komponente fehlt.

Mehr Auflagen, mehr Aufwand

Frage:
Frage: Was denken Sie, wie es in Zukunft im sportlichen Bereich weitergehen wird?
Stefan König: Wir werden mehr Auflagen haben und dadurch einen größeren Aufwand. Ich denke, dass mittelfristig der Sport nicht mehr so sein wird wie er vorher war, zumindest bis flächendeckend geimpft wurde.

Richtlinien der Verbände werden ständig aktualisiert

Frage:
Frage: Frau Nutt, Sie als Geschäftsführerin des Top-Fit müssten das Problem mit den ganzen Auflagen auch kennen. Wie hat sich ihr Arbeitsalltag durch Corona verändert?
Nadine Nutt: Ja, damit habe ich momentan tagtäglich zu tun. Jeder Verband gibt seine eigenen Richtlinien raus, die ständig aktualisiert werden. Das ist nicht so einfach, da immer auf dem Laufenden zu bleiben. Ich arbeite derzeit daran, Alternativkonzepte für den Tag zu entwickeln, an dem wir wieder Sport anbieten dürfen. Dabei gehe ich verschiedene Szenarien durch. Zudem haben wir das Fitnessstudio einer Grundreinigung unterzogen und kontrollieren alle Geräte.

Zukunftsszenario: Kurse draußen und mit viel Abstand?

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Frage: Wie könnte so ein Konzept aussehen?
Nadine Nutt: Wir haben da verschiedene Varianten, an denen wir arbeiten. Zum einen könnte es sein, dass wir für unsere Mitglieder Time Slots anbieten müssen, sodass nur noch eine begrenzte Zahl an Sporttreibenden gleichzeitig auf der Fläche ist. Zum anderen könnte es aber auch sein, dass wir erstmal nur draußen vorm Studio Kurse anbieten dürfen unter freiem Himmel und mit viel Abstand. Wir haben aber auch überlegt, zu den Mitgliedern nach Hause zu kommen und ihnen dort Übungen zu zeigen. Das alles hängt aber von den Beschlüssen der Sportbünde ab.

Videos werden auf Youtube gepostet

Frage:
Frage: Viele Fitnesstrainer setzen derzeit auch auf Onlinekurse. Wäre das auch etwas für den MTV?
Nadine Nutt: Tatsächlich hat der MTV seit Kurzem auch einen eigenen Youtube-Kanal, auf dem wir Videos posten wollen. Allerdings gibt es auch damit Probleme. Zumba-Videos können wir zum Beispiel nicht hochladen, da wir die Musikrechte nicht haben. Außerdem ist der Aufwand und Nutzen dieser Videos oft nicht in Relation zu setzen. Das bereitet uns momentan auch noch große Probleme. Wir fiebern alle auf den Tag hin, an dem wir wieder mit unseren Mitgliedern hier auf unserer Anlage Sport machen dürfen.

Annika SchmidtVolontärin

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