Wilhelmshaven In der 3. Handballliga eine Bundesliga-Truppe zu schlagen, das kann sich sicherlich nicht jede Mannschaft auf die Fahne schreiben. Und doch fühlt sich der Sieg des Wilhelmshavener HV bei der Reserve des TSV GWD Minden am vergangenen Samstag genauso an. Gleich acht Spieler aus der ersten Mannschaft bot der Gastgeber auf. Die EM-Pause macht es möglich. Und trotz des 32:31-Erfolgs auf fremder Platte ärgerte sich WHV-Coach Christian Köhrmann nach dem Schlusspfiff. „Der Sieg hätte höher ausfallen müssen“, erklärte er und lieferte auch gleich die Begründung.

„Wir haben in der zweiten Halbzeit zu wenig Meter in der Abwehr gemacht. Da haben wir schon deutlich bessere Spiele in dieser Saison gezeigt“, zeigte er sich durchaus kritisch. „Wir waren zu passiv.“ Auch die Torhüter hatten in den zweiten 30 Minuten kaum noch Zugriff zum Spiel und deshalb ein ums andere Mal das Nachsehen gegen die wuchtigen Rückraumwürfe von Juri Knorr, Jannik Jungmann und Jonas Molz. Das hatte im ersten Durchgang noch ganz anders ausgesehen. Vor allem der Grieche Savvas Savvas kam da gegen den aufmerksamen WHV-Block kaum zum Zug.

Christian Köhrmann hatte den TSV erneut mit einem taktischen Schachzug überrascht. Gegen die offensive Deckung der Mindener löste er die Torhüterposition auf und ließ sein Team mit einem siebten Feldspieler agieren. „Wir haben vorne gute Lösungen gefunden“, stellte Köhrmann fest. Allen voran zeigten René Drechsler, Tim Rozman und Tobias Schwolow viel Zug zum Tor. Aber auch Rechtsaußen Yannick Pust, der nach seiner auskurierten Verletzung (Bänderanriss) das erste Spiel absolvierte, langte gleich siebenmal zu. „Bei ihm war es ein Auf und Ab aber gut, um wieder reinzukommen“, stellte Köhrmann fest. Zur Pause hatten sich die Wilhelmshavener einen soliden Vier-Tore-Vorsprung erarbeitet. Doch dann wurde es wackelig.

„Ich bin davon ausgegangen, dass es ein enges Spiel werden wird“, erklärte der WHV-Coach. Und er sollte recht behalten. Im Tor hatte er in der Pause einen Wechsel vorgenommen und brachte für den nicht immer überzeugenden Primoz Prošt seinen zweiten Mann, Angelo Grunz. Glück hatte er jedoch keines, kam in den folgenden 18 Minuten nur einmal an den Ball und musste wieder weichen. Da war der TSV beim 25:25 wieder dran und witterte Morgenluft. Köhrmann nahm die fällige Auszeit, schwor sein Team ein, doch es sollte bis zum Schlusspfiff ein Nervenkrimi bleiben. Vier Minuten vor Schluss ging der Gastgeber erstmalig beim 31:30 in Führung. Köhrmann zog erneut die Grüne Karte und fand die richtigen Worte. Erst traf Yannick Pust, dann versemmelte Tobias Schwolow einen Strafwurf, doch Sebastian Maas erlöste sein Team 30 Sekunden vor Schluss. Während Primoz Prošt seinen Kasten fünf Minuten lang buchstäblich vernagelte.

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Thomas BrevesLeitung Sportredaktion

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