Wilhelmshaven Wer sich mit Jakob Willich über Ultimate Frisbee unterhält, der muss eigentlich gar nicht auf diesen einen Satz warten. „Seit fünf Jahren bin ich Feuer und Flamme für diesen Sport.“ Dieser Sport – das ist Ultimate Frisbee, die mannschaftssportliche, in Vollendung ausgeführte Variante dessen, was die meisten in ihrer Freizeit oder im Urlaub wohl schon einmal mit der Kunststoff-Scheibe gemacht haben. Der 28-Jährige, seit Februar Referendar für Sport und Spanisch am Neuen Gymnasium in Wilhelmshaven, lebt diesen Sport, das Lebensgefühl, den Fair-Play-Gedanken.

Und „beherbergt“ seit seinem Studienaufenthalt in Kolumbien 2014/2015 quasi ein enzyklopädisches Wissen über Ultimate Frisbee – inklusive aller sogenannter Fun-Facts, also der Dinge, die am Rande erheitern, oder völlig verwaschener T-Shirts, die aber einen ideellen Wert besitzen, weil sie von einem der „Gottväter“ des Sports, dem US-Amerikaner Ben Wiggins stammen. Jakob Willich: „Dieses Shirt habe ich vom Trainer meiner Uni in Kolumbien zum Abschied geschenkt bekommen. Eine große Geste.“

Seine Begeisterung für Ultimate Frisbee will der angehende Lehrer gerne weitergeben – und das im zweiten Anlauf. Im März waren zwei Schnupperkurse beim WSSV geplant, die wegen des coronabedingten Verbots von Indoor-Veranstaltungen ausfallen mussten, jetzt aber nachgeholt werden. Die genauen Termine stehen aber noch nicht fest.

Punkte werden in der Endzone erzielt – wie beim Football

Klar ist: Interessenten sollten Lust auf einen Lauf -und Sprintsport besitzen, denn um in Siebener-Teams (Rasen) oder Fünferteams (Strand) wie beim Football Punkte in der Endzone des Gegners zu erzielen, ist viel Laufarbeit erforderlich. Jakob Willich: „Die Spieltage in den Ligen umfassen zumeist fünf Partien. Und wenn die jeweils über 90 Minuten gehen, weiß man am Montagmorgen, was man am Wochenende gemacht hat.“ Das spüren auch Schreibtischtäter, wie in einem Youtube-Video von Sport 1 aus dem Jahr 2017 nachzusehen ist. Der Besuch beim Erstliga-Team aus München endet da für den Neueinsteiger mit der Erkenntnis, das neben dem Laufen auch das Fangen eines Frisbees (im vollen Lauf) in der Luft eine Unternehmung mit Tücken ist.

Von den Feinheiten ganz zu schweigen: Schließlich gibt es Rückhand, die Vorhand inklusive Pistolengriff und Würfe am Kopf vorbei wie beim Schlagball. Und jeder Wurf hat unterschiedliche Flugbahnen zur Folge. Alles halb so schwer, findet Jakob Willich und hofft auf möglichst viele Interessenten an der Mischung aus Basketball, Football und Fußball, um mittelfristig eine Mannschaft aufbauen zu können oder auch an der Schule eine Gruppe ins Leben zu rufen. „Wer vielleicht gerade genervt von seiner Sportart ist, der findet im Ultimate Frisbee einen wunderbaren, aber auch fordernden Ausgleich.“

„Fairplay – das ist doch im Kern das, wovon jeder Sport lebt. Und das klappt auch im Ligabetrieb in der Regel problemlos.“

Der für den 28-jährigen ehemaligen Fechter des WSC Frisia wohl schönste Effekt dieses Sports ist der Fair-Play-Gedanke. Gespielt wird ohne Schiedsrichter, Meinungsverschiedenheiten über Regelauslegungen werden, so sie auftreten, sofort im kurzen Austausch untereinander aus dem Weg geschafft. Willich: „Fairplay – das ist doch im Kern das, wovon jeder Sport lebt. Und das klappt auch im Ligabetrieb in der Regel problemlos. Deshalb ist der Sport auch in Deutschland immer mehr gewachsen – auch dank zahlreicher Pioniere in kleinen Städten. Richtig cool sind auch Trainingswochenenden wie in Nürnberg. Tagsüber spielst du Ultimate Frisbee, abends wird gezeltet und geklönt und irgendwann bist du einfach nur todmüde.“

Der angehende Lehrer hat den Sport während seines Austauschjahres in Bogota (Kolumbien) kennengelernt – und dort war Ultimate Frisbee unglaublich populär. „Es gab dort viele Trainer aus den USA, dem Mutterland dieses Sports. Deshalb kam man daran auch als Deutscher eigentlich gar nicht vorbei. Und Vergleiche gab es auch immer wieder, weil die Fakultäten gegeneinander angetreten sind.“

Zurück in Rostock, zwischen 2012 und 2019 „Heimatbasis“ des gebürtigen Wilhelmshaveners, schloss sich Jakob Willich den „Endzonis“ an, deren hochklassige Teams in der 1., 2. und 3. Liga zu Hause und die auch mit ihrem Nachwuchs sehr erfolgreich sind. Als ehrenamtlicher Trainer stellte sich Willich zudem für eine Schul-AG des Teams zur Verfügung. Und auch ein halbjähriges Praktikum am Goethe-Institut in Madrid warf Willich nicht aus der Ultimate-Umlaufbahn. Deshalb hofft Jakob Willich bald loslegen zu können; neben den Schnupperkursen ist auch im Rahmen des Somerferienprogramms in Wilhelmshaven ein Angebot geplant.

Martin MünzbergerLeitung Sportredaktion

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