Wilhelmshaven Der 19. April 2020 war im Terminkalender von Daniela Groschwitz fest verankert. In Hamburg wollte die Wilhelmshavenerin nach einer 16-wöchigen Vorbereitung den ersten Marathon ihres 40-jährigen Lebens bestreiten. Das Hotel war gebucht, die Vorbereitung festgezurrt, die ersten beiden langen Trainingsläufe über mehr als 30 Kilometer absolviert.

Daniela Groschwitz muss umplanen, so wie mehr als 10 000 andere Laufenthusiasten auch, darunter zahlreiche aus der Region, für die der Hamburg-Marathon auf Grund seines frühen Termins der erste Fixpunkt im Ausdauer-Sportjahr war und auf Grund seiner riesengroßen Zuschauer-Resonanz ein beliebter Ort, um sich zu neuen Bestzeiten treiben zu lassen.

Die Veranstalter in Hamburg hatten ihren Lauf ebenso wie später die in Hannover und zuletzt die Verantwortlichen des Gorch-Fock-Laufs wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

Die Rüstersielerin Daniela Groschwitz hatte Hamburg allerdings aus ganz grundsätzlichen Erwägungen heraus als Ziel definiert. „Regen, Kälte, Schnee – das ist mir alles egal. Aber ich hasse Hitze beim Laufen. Das geht zwar mittlerweile schon besser, aber ich habe mir Hamburg ganz bewusst ausgesucht, damit die Vorbereitung im Winter beginnt.“

An ihre letzte „Hitzeschlacht“ hat die Mutter von zwei Kindern (3 und 9 Jahre alt) nicht die allerbesten Erinnerungen. Beim Gorch-Fock-Lauf quälte sich Groschwitz durch einen Halbmarathon. „Bei meinem ersten Versuch war ich nach 18 Kilometern platt, in Wilhelmshaven nach der ersten Runde wegen der mörderischen Hitze schon gar, bevor ich dann bei Nummer 3 in Bremen bei angenehmen Bedingungen in 2:09:30 Stunden über die Ziellinie gelaufen bin. Damit kann ich leben.“

Groschwitz: „Die Enttäuschung ist groß.“

In Venlo hätte Ende März der vierte Halbmarathon folgen sollen – als Vorbereitung auf Hamburg. Drei Häuser im Centerpark dort waren für 20 Mitglieder des Lauftreffs Wilhelmshaven, die dort alle an den Start gehen wollten, bereits gebucht.

Der letzte Test aber wurde ebenso wie der Marathon in Hamburg wegen der Corona-Krise abgesagt. Groschwitz: „Die Enttäuschung ist groß und ich war in einem kurzen Motivationsloch, aber vielleicht passt ja auch ein neuer Hamburg-Termin in diesem Jahr, wenn es dazu kommen sollte, in die Vorbereitung. Oder ich laufe irgendwo anders einen Marathon.“

Denn eigentlich soll das „Projekt Daniela“, wie Mitläufer, Mentor und Motivator Sven Minits das bei der „Grundsteinlegung“ formuliert hatte, in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Unabhängig von diesem Projekt gibt es das Läuferleben der gelernten Rechtsanwalts-Fachangestellten, die seit 2001 in Wilhelmshaven lebt, noch gar nicht so lange. 2017 fand die langjährige Karate-Kämpferin zum Laufen. Überschaubare 275 Kilometer standen am Jahresende in der persönlichen Laufstatistik. Innerhalb von zwei Jahren wuchs dieser Wert auf 1244 Jahres-Kilometer an; in diesem Jahr hat die 40-Jährige auf Grund der Marathon-Vorbereitung bereits mehr als 500 Kilometer zurückgelegt.

Einem zweiten sportlichen Standbein droht auch ein Rückschritt

Die Entwicklungs-Schritte der Rüstersielerin dürften damit vielen „Mitläufern“ bekannt vorkommen. „Am Anfang habe ich mir gedacht: Mehr als zehn Kilometer läufst du nie im Leben. Dann waren es drei Halbmarathons – gefolgt von der spontanen frühzeitigen Anmeldung für den Marathon in Hamburg.“

Und dann lief alles nach Plan – also nach dem von Sven Minits. Alle Distanzen wurden irgendwie zwischen Arbeit und Familienleben untergebracht, denn die richtigen „Läufersprüche“ kann auch Daniela Groschwitz schon lange formulieren. „Jeder gelaufene Kilometer hilft in der Vorbereitung.“

Und die langen Läufe, also die jenseits der 30 Kilometer, müssen sein, um auch dem vielzitierten „Mann mit dem Hammer“, der auch große Langläufer ganz klein machen kann, schon einmal begegnet zu sein. Groschwitz: „Bei meinem ersten 30er kam er zu früh, weil ich viel zu schnell angegangen bin. Der zweite Versuch war dann deutlich besser, und erst bei Kilometer 28 wurden die Beine schwer. Mittlerweile weiß ich, dass ein Halbmarathon kein Problem mehr darstellt. Und wenn es auf die doppelte Distanz geht, muss mich Sven halt stoppen, damit mich die Zuschauer an der Strecke nicht zu sehr nach vorne treiben.“

Einem zweiten sportlichen Standbein der 40-Jährigen droht im Übrigen auch ein Rückschritt. Denn im Herbst wollte die WSSV-Kampfsportlerin eigentlich ihre Prüfung im Karate zum 2. Dan ablegen, nachdem sie sich vom Weiß- bis zum Schwarzgurt hochgearbeitet hat. „Alle sportlichen Voraussetzungen habe ich schon erfüllt. Deshalb wäre das ärgerlich, denn so viele Prüfungstermine im Jahr gibt es nicht..“

Martin MünzbergerLeitung Sportredaktion

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