Wilhelmshaven /Friesland „Liebe Vorstände, die Sporthallennutzung wird sich noch ein paar Tage hinziehen. Wir bitten um Verständnis und raten von Anrufen bei der Stadt ab“ – mit dieser Mail hat der Stadtsportbund Wilhelmshaven jetzt alle 73 Vereine in der Stadt um Geduld gebeten, weil es trotz der (theoretischen) Möglichkeit für Indoor-Sport seit Anfang der Woche noch keine geöffnete Sporthalle gibt.

Denn so einfach wie es klingt, ist die Handlungskette – Land lockert Einschränkungen, Städte und Kreise öffnen die Sporthallen – nicht. Allein in Wilhelmshaven müssen nach dem niedersächsischen Erlass vom vergangenen Freitag 18 städtische Sporthallen vorbereitet werden. Wie genau das geschehen kann, darüber verständigte sich gestern bei der Stadt noch einmal der Corona-Einsatzstab.

Die schnelle Öffnung der Indoor-Sporthallen schon in Phase 3 des niedersächsischen Mehr-Stufen-Plans kam dabei für die Verantwortlichen vor Ort überraschend. Denn diese Öffnung war erst für die vierte, noch nicht mit einem Datum versehene, Stufe vorgesehen. Julia Muth, Pressesprecherin der Stadt Wilhelmshaven. „Für die Aktiven ist das natürlich erfreulich – es war aber nicht vorherzusehen. Wir haben erstmals Ende letzter Woche von dem früheren Neustart Kenntnis erlangt und umgehend die Vorbereitungen aufgenommen. Allerdings werden wir noch ca. 14 Tage benötigen, bis die räumlichen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen sind, dass der Betrieb wieder aufgenommen werden kann.“

Was bis zur Öffnung organisiert werden muss

Dazu gehört zum einen die Organisation des Reinigungsdienstes (die Reinigungskräfte der Sporthallen sind seit Wiederöffnung der Schulen dort eingesetzt, um dort den gesteigerten Reinigungsbedarf für den Unterrichtsbetrieb sicherzustellen), zum anderen auch die Anschaffung von Papierhandtuchhaltern (bislang sind alle Sporthallen mit Stoffhandtuchrollen ausgestattet), die Anbringung von Schildern sowie die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln. Außerdem müssen die Vereine über die Nutzungsbedingungen informiert werden und die Steuerung der einzelnen Sportgruppen geregelt werden. Damit diese beim Rein- und Rausgehen nicht zusammentreffen, sollen zum Beispiel die Trainingszeiten angepasst werden. Darüber hinaus wurde gestern in Abstimmung mit dem Einsatzstab geregelt, dass die zulässige Personenzahl in den Sporthallen zur Sicherstellung des Gesundheitsschutzes begrenzt wird. Je 25 m² Hallenfläche darf eine Person eingelassen werden.

In Friesland ist, so Nicola Karmires, Pressesprecherin des Landkreises, eine Öffnung der 22 kreiseigenen Hallen ab dem 8. Juni anvisiert. Ausgenommen sind davon Hallen, die dann noch für Schulprüfungen genutzt werden Grundsätzlich sollte nach Überzeugung von Kai Langer, Vorsitzender des Kreissportbundes Friesland, Landkreis, Städte und Gemeinden eine Sprache sprechen, um die für die Vereine und die einzelnen Sportarten sowieso schon unübersichtliche Lage nicht noch komplizierter zu gestalten.

Denn offene Fragen gibt neben den grundsätzlichen Anforderungen in den Hallen an die Hygiene und den unterschiedlichen sportartspezifischen Voraussetzungen noch genug: Wie vermeide ich Begegnungen unterschiedlicher Gruppen? Wie komme ich in eine Sporthalle, wenn der Zugang eigentlich durch die (gesperrte) Umkleide erfolgt? „Die Aktiven scharren schon mit den Hufen“, hat Imke Oltmanns vom TuS Sande festgestellt, sagt aber auch: „Natürlich sind wir daran interessiert, dass es so schnell wie möglich losgeht. Aber die Auflagen sind hoch und einige Sportarten werden sich sicherlich überlegen, ob es unter diesen Bedingungen sinnvoll ist loszulegen.“

Unterschiede zwischen den Sportarten

Denn die Unterschiede in den Sportarten liegen auf der Hand: Zwei Tischtennis-Spieler haben per se durch die Platte einen Abstand von 2,74 m und könnten deshalb problemlos Einzel absolvieren, während Desinfektionen beim Turnen aufwendiger sind und Abstandsgebote insbesondere bei Klein-Kindergruppen schwieriger durchzuhalten sind. Am einfachsten umzusetzen sein wird da noch die Dokumentation darüber, wer am Training teilgenommen hat, die fast alle Sportverbände verbindlich vorgegeben haben. Fragen rund um die Situation im Sport werden heute Abend ab 18 Uhr auch noch einmal in einem Online-Austausch zwischen den KSB-Verantwortlichen und den Vereinen erörtert.

Vereine mit eigenen Anlagen sind unabhängig, haben aber trotzdem hohe Hürden zu überwinden. Der WSSV startet heute – bis auf das Eltern-Kind-Turnen – wieder in den „normalen“ Hallenbetrieb, beim TuS Oestringen bleibt die Halle am Huntsteert aber erst einmal zu. Sportwart Arno Eckhoff: „Am Freitag steht eine Sitzung mit unseren Übungsleitern an, um über Gruppengrößen und Ähnliches zu sprechen. Grundsätzlich wollen wir aber nicht vorpreschen, sondern uns an dem orientieren, was die Stadt Schortens sagt.“

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