Wilhelmshaven /Friesland Gelbe Rapsfelder, gestutzte Kopfweiden – auf dem Weg nach Mennhausen war gestern alles normal. Eines aber nicht: Ein gut gefüllter Parkplatz vor dem Golfclub Wilhelmshaven-Friesland. Erstmalig hatten die rund 700 Mitglieder am Mittwoch die Möglichkeit, wieder zum Schläger zu greifen. Mit Auflagen zwar – aber bei prächtigen äußeren Bedingungen auf optimal vorbereiteten Grüns.

Pressewart Michael Hibbeler drehte erst später am Tag eine Runde als „Marshall“ im Club-Car. Denn alles war entspannt. Zwar war die Telefonanlage am Dienstag, als sich die Mitglieder anmelden konnten, früh für eine Dreiviertelstunde ausgefallen, weil der Router in Mennhausen meinte, ein Update starten zu müssen, dann aber verlief das „Anmeldegeschäft“ für die Doppelspitze im Clubsekretariat abseits aller Hektik. Hibbeler: „Ich habe mir schon Sorgen gemacht, denn wir haben natürlich auch geschaut, wie es in anderen Clubs aussieht, die zum Teil schon früher wieder öffnen durften. In Achim waren zum Beispiel 1000 Startzeiten in zwei Stunden vergeben.“

Auch der Verein in Mennhausen hatte an einer Online-Anmeldemöglichkeit gebastelt, am Ende aber davon Abstand genommen. Wie sich am Mittwoch zeigte zu Recht. In dieser Woche sind noch zahlreiche Termine frei, obwohl nur in Zweiergruppen gestartet werden kann, jedes Mitglied nur Anrecht auf drei Termine in der Woche hat und nur neun Löcher gespielt werden können. Zudem geht es im Zehn-Minuten-Abstand auf die Golfrunde; dafür wurde ein Wartebereich eingerichtet, während die Bänke abmontiert wurden.

Michael Hibbeler: „Die jetzt bestehenden Regeln einzuhalten, ist beim Golf kein Problem. Das hätte aber auch schon vor Wochen so praktiziert werden können. Aber wir mussten die Regelung halt akzeptieren.“

Die Folgen sind auch beim Golfclub spürbar. Der Ausfall der Jahreshauptversammlung und der ersten Turniere gehören dabei noch zu den leichteren Einschränkungen. Weggefallen sind aber die Schnupperstunden, die sonst im April einsetzen, und neue Mitglieder anlocken – und gleichzeitig eine Einnahmequelle für den Pro sind. Kein Golf, keine Schüler – der im dritten Jahr beim Golfclub als Pro tätige Joerg Dettmer war so das erste Mal seit Jahren am 1. Mai bei seiner Familie in Husum.

Den Neustart begrüßt natürlich auch Dettmer: „Wie in der Gastronomie werden wir das, was weg ist, nicht wieder aufholen können, aber das Unterrichtsbuch füllt sich langsam wieder.“ Und Dettmer macht Interessenten Mut. „Wer dreimal in der Woche Stunden nimmt und dann noch ein bisschen Eigeninitiative entwickelt, kann in vier bis sechs Wochen auf dem Platz stehen und losspielen.“

Die Spielpause war auch beim Golfclub Anlass, auf die Solidarität der Mitglieder zu setzen. Mit Erfolg. Michael Hibbeler: „Es gab ein, zwei Anfragen bezüglich einer Beitragsrückerstattung, ansonsten aber hat keiner seine Mitgliedschaft gekündigt. Im April, als wir zwischenzeitlich die Hoffnung hatten, wieder starten zu können, haben wir zudem dazu aufgerufen, Trainerstunden im voraus zu buchen und zu bezahlen.“

Fakt war: Gestern passierten ab 8 Uhr nur glückliche Golfer das Infofenster des Sekretariats, das die Angemeldeten passieren mussten. Unter ihnen Dankward Schoolmann. Dessen Handicap (13,9) dürfte zwar angesichts von Golf-Urlauben früh im Jahr in Marokko und Tunesien nicht gelitten haben, die Eröffnung wurde aber herbeigesehnt. „Irgendwann hast du in deinem Garten wirklich alles erledigt, was zu erledigen ist. Und angesichts der Lockerungen in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern hat man sich natürlich auch gefragt, warum das hier zunächst nicht möglich war.“

Nach dem entspannten Neustart überlegen die Golfclub-Verantwortlichen jetzt, die Beschränkungen auf Neunerrunden und die Voranmeldung aufzugeben. Dann wird es auch für Schwäne und Wildgänse wieder etwas ungemütlich, die die Ruhe in den letzten Wochen im Gegensatz zu den Golfern genossen haben dürften.

Martin MünzbergerLeitung Sportredaktion

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