Wilhelmshaven /Friesland Sie sind wieder offen – die „Muckibuden“ der Region. Fitness-Studios dürfen die Türen für ihre Kunden nach gut zehn Wochen Pause wieder öffnen, unter strenger Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln. Die Redaktion hat sich den Neustart angesehen und mit Sportlern und Studiobetreibern gesprochen.

Bei „McFit“ in der Grenzstraße standen am späten Sonntagabend bereits zehn Minuten vor Mitternacht die ersten Interessenten vor der Tür, die Nikolai Orth dann pünktlich um 0 Uhr nacheinander mit Spindkarten versah, um so einen Überblick in Sachen Besucherzahl zu haben.

15 Fitnessfans waren es in der ersten Viertelstunde nach Mitternacht, darunter die Wilhelmshavener Schüler Torben Stöltje und Falk Celta, die sich bereits zwei Stunden früher für den Neustart-Countdown getroffen hatten. Während sich Celta (Tennisspieler der Junioren A des WTHC) zuletzt hauptsächlich auf dem Tennisplatz wieder in Form gebracht hatte, nutzte Stöltje das etwas verstaubte Knowhow in der eigenen Familie. „Mein Vater hatte auf dem Dachboden noch einige Geräte. Und ein paar Dinge habe ich mir selbst zusammengebastelt. Zusammen mit den vielen Tutorials, die es überall im Internet gab, hat das in Sachen Fitnesstraining für den Übergang ganz gut geklappt.“

Trotzdem waren beide „heiß“ auf den Neustart. Stöltje: „Über die sozialen Netzwerke hat sich die Info, dass es um Mitternacht losgehen würde, ja schnell verbreitet. Und da war es für uns keine Frage, dass wir auch sofort loslegen.“ Training zur „Geisterstunde“ – das war für Celta auch schon vor Corona kein Teufelswerk: „Wenn man nachts mal nicht schlafen kann, ist das doch eine Alternative. Und eigentlich ist hier nachts immer etwas los.“

Bis zu 40 Gäste in der Nacht eigentlich immer aktiv

Das bestätigt auch Nikolai Orth: „Bis zu 40 Leute sind nachts eigentlich immer aktiv. Gerade für Studenten und Selbstständige scheint das eine beliebte Möglichkeit zu sein. Insofern hätte ich fast damit gerechnet, dass der Andrang noch größer ist.“ 50 Fitness-Fans dürfen nach Neuöffnung zeitgleich jeweils eine Stunde trainieren; angesichts von mehr als 2000 Quadratmeter Sportfläche könnten, so Orth, sogar 300 Aktive gleichzeitig an der Grenzstraße ihrem Hobby nachgehen.

Die Fitness-Kette hat im Übrigen auf die längere Pause reagiert und bietet jetzt monatlich kündbare Verträge an. „Wir bieten einen Sorglos-Tarif ohne Risiko an und werden damit zum Netflix der Fitnessbranche“, sagt „McFit“-Kommunikationsleiter Pierre Geisensetter. Pünktlich um 7 Uhr war auch beim „Sportsfreund“ im Gewerbegebiet Groß Belt alles bereit für den Neustart. „Wir haben in den letzten Wochen richtig Gas gegeben und noch einmal einiges in unser Studio investiert“, sagt Inhaber Jan-Oliver Wulf. „Viele Dinge werden unseren Sportlern gar nicht aufgefallen sein, aber uns war es wichtig, dass wir uns zur Wiedereröffnung von unserer besten Seite zeigen.“

Zehn Wochen ohne Sportbetrieb gehen auch am derzeit größten jadestädtischen Fitness-Anbieter nicht spurlos vorbei. Wulf: „Die Kosten für Leasing oder Miete laufen natürlich weiter und werden irgendwann auch für unser Unternehmen zu einer echten Belastung – zumal auch die Umsätze am Tresen wegfallen. Aber zum Glück haben wir diese Phase nun überstanden.“ Stolz ist Wulf auf die „überwältigende Solidarität“ seiner Sportsfreunde: „Klar gibt es Mitglieder, die gekündigt oder ihre Beiträge zurückgebucht haben. Aber die ganz große Mehrheit hat uns die Treue gehalten und erkannt, dass wir als Unternehmen von den Beiträgen leben. Dafür ein riesengroßes Dankeschön.“

Um die Abstandsregeln einzuhalten, hat der „Sportsfreund“ seinen üppigen Gerätepark halbiert, zahlreiche Aufkleber mahnen die Sportler zur Aufmerksamkeit. Einmal in der Stunde werden die Geräte von den Trainern desinfiziert, auf der Fläche wurde sogar ein Extra-Waschbecken installiert – zum regelmäßigen Händewaschen, da Umkleiden und Duschen derzeit noch gesperrt sind. „Auf dem Weg zu unserem eigenen Hygienekonzept haben wir uns auch mit anderen Studiobetreibern in der Stadt abgesprochen“, sagt der Inhaber.

Auf Kurse wird derzeit noch verzichtet

An den Öffnungszeiten hat Wulf nicht gerüttelt – die Anlage ist werktags von 7 bis 23 Uhr und am Wochenende von 9 bis 20 Uhr geöffnet. „Damit möglichst viele unserer Mitglieder wieder trainieren können, haben wir die Trainingszeit auf 90 Minuten begrenzt. Unser Kursangebot steht derzeit eingeschränkt wieder zur Verfügung. Wir haben 20 Plätze pro Kurs, die vorher online gebucht werden müssen.“

Auf Kurse müssen die Mitglieder beim „Actic-Fitness“ in Schortens in diesem Tagen noch verzichten. „Aber auch wir sind seit gestern wieder da“, sagt Fitness-Trainer Rainer Buldt. Auch in Sachen Öffnungszeiten müssen Abstriche gemacht werden. Buldt: „Wir haben von 8 bis 12 und von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Wer trainieren möchte, muss sich vorher im Internet anmelden. Da unser Platzangebot begrenzt ist, dürfen aktuell nicht mehr als zwölf Mitglieder zeitgleich trainieren. Und Schwimmen ist leider nicht möglich, da das „Aqua-Fit“ immer noch gesperrt ist.“ Mit der Resonanz zum Neustart waren Buldt & Co. nach der langen Pause zufrieden. „Alle freuen sich, dass es wieder losgeht. Abgesehen von ein paar Cardio-Geräten steht unser Equipment komplett zur Verfügung. Um ausreichend Abstand zu gewährleisten, haben wir einige Geräte in den Kursraum gestellt.“

In allen Studios ist das Tragen von Schutzmasken empfohlen – aber nicht verpflichtend. Da die Umkleiden überall noch gesperrt sind, müssen die Mitglieder in Sportbekleidung im Studio erscheinen. Bei den Vereinen, die Fitness-Studios betreiben, geht es erst am morgigen Mittwoch los. „Wir erweitern mit einem Stufenplan das Angebot nach und nach“, erklärt Nadine Nutt, Leiterin des Geräteparks des MTV Jever. „Unsere Trainer waren acht Wochen nicht vor Ort, die muss ich erstmal alle auf den neuesten Stand bringen. Ein Schnellschuss wäre unangebracht.“ Beim WSSV ist eine telefonische Voranmeldung erforderlich.

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