Roffhausen Gertrud Schreiber ist bei der Jahreshauptversammlung des Schützenvereins Olympia Roffhausen als „Mitglied des Jahres“ geehrt worden. Einen Grund für diese besondere Würdigung vermag die 75-Jährige aber nicht zu sehen. „Ich war wohl dran“, sinniert die Luftgewehr-Schützin. Und war wohl auch bei der Versammlung zwischenzeitlich gedanklich leicht abgedriftet. „Unser Vorsitzender Michael Marohn hat erzählt und plötzlich hieß es neben mir: Gertrud, Du. Ich habe erst gar nicht reagiert.“

Warum die Wahl auf die Luftgewehr-Schützin fiel, lag für den Präsidenten auf der Hand. Marohn lobte ihr „zuverlässiges Engagement über viele Jahre hinweg.“ Gemeint war damit insbesondere die Arbeit von Gertrud Schreiber im Festausschuss. Und wenn die 75-Jährige davon erzählt, dann fühlt sich der Zuhörer nicht nur in Vor-Corona-Zeiten versetzt, sondern in eine ganz andere Zeit des Vereinslebens.

Blenden wir also zurück in die Geschichte des 1953 gegründeten Vereins, der anfangs in einer Baracke in Roffhausen zusammenkam, dann mit vor Kälte zitternden Fingern auf der Außenanlage der ehemaligen Gaststätte Rensing (heute Asia World) den Abzug suchte, um später über die Gaststätte Alt-Berlin zur heutigen Unterkunft in der Bürgerbegegnungsstätte Roffhausen zu finden, wo jeweils zu den Trainingsabenden acht Bahnen aufgebaut werden können.

Gertrud Schreiber kam auf jeden Fall in der 80er-Jahren zum Verein, in dem ihr Mann Werner bereits 1956 seinem Hobby nachging. „So langsam könntest du auch mal eintreten, habe ich mir damals gedacht“, erinnert sich die 75-Jährige, die ihren Mann zuvor bereits zu den gesellschaftlichen Ereignissen des Vereins begleitet hatte.

Mit dem Eintritt der gelernten Einzelhandels-Kauffrau und späteren langjährigen Vertriebs-Angestellten in den Verein nahm das sowieso schon reichhaltige Vereinsleben noch einmal richtig Fahrt auf. Schützenbälle zu Pfingsten, Stiftungsfeste, Besenwerfen, Osterschießen, Weihnachtsfeiern, Busreisen – die Liste der Aktivitäten der Olympianer war lang.

Gertrud Schreiber hofft auf elektronische Scheibenanlage

Zehn Jahre lang kümmerte sich Gertrud Schreiber zudem um die Tombola des Vereins auf dem Weihnachtsmarkt in Roffhausen, einmal wurde mit der Jugend das Theaterstück „Die Grippe naht, es weihnachtet sehr“ einstudiert. Heute, sinniert die 75-Jährige, sei das wohl nicht mehr zeitgemäß. Genau wie ein Weihnachtsmann, der auf den Busreisen zu Weihnachtsmärkten das Reisegefährt mit einem Spickzettel betrat, um bei den Schützen ein paar „Treffer“ zu tadelnswertem Fehlverhalten zu landen.

Sportlich ließ es das „Mitglied des Jahres“etwas ruhiger angehen. „Ich bin nicht so der Wettkampfmensch. Im Training sind meine Ergebnisse meistens besser als beim Wettkampf, weil ich dort nicht so leicht zur Ruhe komme.“

Insofern passte es gut, dass die Damenmannschaft des Vereins seinerzeit schon gut besetzt war. Schreiber: „Beim Luftgewehr-Training und auch bei den Rundenwettkämpfen war ich immer dabei. Aber mehr Spaß habe ich definitiv beim Training.“

Immerhin: In den vergangenen beiden Jahren wurde die 75-Jährige in der Seniorenklasse IV zweimal Meisterin im Sportschützenkreis Jeverland, zu dem die Olympianer 2016 wegen der größeren Anzahl an Wettkämpfen von der Wilhelmshavener Schützengilde (Rüstringen, 1861, ESV) gewechselt waren.

Aktuell hofft die 75-Jährige, dass sich wie erhofft die Pläne des Vereins umsetzen lassen, noch in diesem Jahr eine elektronische Scheibenanlage mit Trefferauswertung anschaffen zu können. Gertrud Schreiber: „Hier vor Ort gibt es keinen Verein, der so etwas besitzt. Ich habe das aber in Wiefelstede schon kennengelernt und war begeistert. Auf dem Computer neben dem Stand sieht man sofort das Ergebnis. Und da mittlerweile auch Zehntel gewertet werden – es also nicht nur eine Neun oder eine Zehn gibt, liefert das einen schnellen Überblick. Und wenn dann noch 300 Ringe nach 30 Schuss angezeigt werden, war alles perfekt.“

Martin MünzbergerLeitung Sportredaktion

Ihre Meinung

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.