Reepsholt /Wilhelmshaven Vielen Sportlern hat das Coronavirus einen dicken Strich durch die Saisonziele gemacht. Sämtliche Wettkämpfe sind bis auf Weiteres abgesagt und der Spielbetrieb ist ausgesetzt worden. Davon betroffen sind auch zahlreiche Friesensportler – und das mitten in ihren Vorbereitungen auf die Europameisterschaft in Schleswig-Holstein, die bereits in das kommende Jahr verschoben wurden.

Auch Fieke Müller aus Reepsholt hatte ehrgeizige Ziele für ihr EM-Debüt – aus denen zumindest in diesem Jahr nichts wird. Neun Monate lang hatte die 15-jährige trainiert und sich mit Bravour durch die bisherige Qualifikation mit der Hollandkugel gequält. Als Belohnung für die Schinderei gab es den erhofften Platz im Perspektiv-Kader des Friesischen Klootschießerverbandes. In zwei weiteren Ausscheidungswerfen, die nun abgesagt wurden, sollte dann endgültig der große Traum von der Teilnahme an der EM-Runde Ende Mai in Schleswig-Holstein realisiert werden. Durch die Verschiebung des sportlichen Großereignisses in das kommende Jahr sind diese nun aber zunächst geplatzt.

Erfolge wecken Ehrgeiz

Dass ihre Hoffnungen auf gute Platzierung in Schleswig-Holstein durchaus berechtigt waren, bewies Fieke im gesamten Saisonverlauf eindrucksvoll. Nach der FKV-Einzelmeisterschaft in ihrer Altersklasse wusste sie auch bei der Generalprobe zur Klootschießer-EM in Garding im Mai des vergangenen Jahres zu überzeugen und platzierte sich dort mit der Hollandkugel auf Rang vier, obwohl sie eine der jüngsten Teilnehmerin im Starterfeld der Juniorinen (bis 18 Jahre) war. Doch nicht nur der sportliche Erfolg dort weckte ihren Ehrgeiz, auch das Event als solches und vor allem der dort erlebte Teamgeist innerhalb der Mannschaft motivierte die junge Friesensportlerin, sich mächtig ins Zeugs zu legen, um sich ihren Platz im EM-Kader zu sichern. Nichtzuletzt in Garding entwickelte der FKV-Nachwuchs das wichtige Wir-Gefühl, dass unerlässlich ist, um als Team in Wettkämpfen erfolgreich sein können.

Der Frust über die Verschiebung ist bei den jungen Sportlerin aktuell natürlich riesengroß, zumal nicht sicher ist, wie es nun weitergeht. Noch ist unklar, ob die erfolgreiche Qualifikation auch für das kommende Jahr Gültigkeit hat und der FKV dann mit dem aktuellen Kader ins Rennen gehen wird, oder ob die Startplätze über weitere Ausscheidungswettkämpfe komplett neu vergeben werden. Der FKV wird zu dieser Thematik sicher erst dann Antworten liefern können, wenn abzusehen ist, wie es sportlich überhaupt weitergehen kann. Vor Ende April wird man diese aufgrund der aktuellen Krisen-Situation wohl nicht erwarten können. Für Fieke bedeutet dies, dass sie seit fast drei Wochen einen kalten Sport-Entzug erlebt. Neben der EM-Absage durfte sie als Stammwerferin der Reepsholter Landesligamannschaft ja auch die Saison als Boßlerin nicht zu Ende bringen und wurde durch das Coronavirus zusätzlich daran gehindert, ihrer weiteren sportlichen Leidenschaft zu frönen – dem Handballsport. Denn auch hier zählt sie zu den Top-Talenten in der Region. Ausgebildet in der Jugend der HSG Friedeburg/Burhafe stand im letzten Sommer der Wechsel zur JSG Wilhelmshaven an, bei der die Linkshänderin in der B-Jugend schnell Fuß fasste und sich zu einem festen Bestandteil des Teams entwickelte.

Fit halten für Tag X

Ganz ohne Sport und Bewegung muss das Nachwuchs- Talent in diesen Tagen allerdings nicht auskommen. Von ihrem Handballtrainer hat Fieke ein individuelles Fitness-Programm mit Übungen erhalten, die sie im Wohnzimmer, im Garten oder im nahe gelegenen Wald absolvieren kann, um für den Tag X gewappnet zu sein, an dem die Wettkämpfe wieder aufgenommen werden. Per WhatsApp steht sie mit ihrem Trainer in Kontakt, erhält regelmäßig Instruktionen und überliefert ihm im Gegenzug auf digitalen Wege ihre Trainingsresultate.

Dafür, dass die Boßler-Technik geschmeidig bleibt, werden zudem wohl ihre Eltern sorgen. Michaela und Wilfried Müller, beide Leistungsträger der Reepsholter Landesligamannschaften, werden sicherlich, unter Berücksichtigung der aktuellen Ausgangsbeschränkungen, den ein oder anderen Wurf mit ihrer Tochter absolvieren. Wie alle Eltern in dieser schwierigen Zeit, sind sie schließlich auch als Motivatoren gefragt, um den Nachwuchs, der sich aktuell weder mit Freunden treffen, zum Sport beziehungsweise zur Schule gehen kann, bei Laune zu halten.

In der neuen Serie „Ein Sportler, zwei Talente“, die in lockerer Folge erscheint, stellen wir ab
sofort Menschen aus der Region vor, die mehr als nur ein Talent besitzen. Sie kennen solch eine Person, dann freuen wir uns über einen Hinweis an eine unserer beiden E-Mail-Adressen: sport@harlinger.de oder lokalsport@jeversches-wochenblatt.de


     sport@harlinger.de 
     lokalsport@jeversches-wochenblatt.de 

Holger WilkenFreier Mitarbeiter

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