Esens „Laufen ist gesund“ – dieser Meinung ist Wolfgang Pree, Physiotherapeut und Laufcoach in Esens. Der Trainer der LG Harlingerland ist seit Jahren selbst passionierter Läufer, bestritt einige Marathons. Im vergangenen Jahr belegte er den dritten Platz beim Hannover-Marathon in der Altersklasse 55 im Rahmen der Landesmeisterschaft Niedersachsen/Bremen. Der Esenser Laufcoach ist sich sicher: „Lauferfolg ist planbar.“ Gerade jetzt, wo in Zeiten der Coronakrise einige Hobbysportler aufgrund der vorrübergehenden Schließung der Fitnessstudios mit dem Laufen begonnen haben, eine interessante These. Oftmals bereiten Knie- oder Rückenschmerzen den Ambitionen nämlich nur allzufrüh ein Ende.

„Bevor der Mensch die Technik hatte, wie Autos oder Züge, ist er nur gelaufen. Von Natur aus sind wir Menschen Läufer. Wir laufen inzwischen einfach nur zu wenig“, stellt Pree klar. Ursprünglich sei der Mensch früher um die 20 Kilometer am Tag gelaufen. Das gehört jedoch schon lange der Vergangenheit an. Heutzutage bestimmt oftmals das Sitzen auf Bürostühlen, bei Auto- oder Zugfahrten, den Alltag vieler Menschen. Mehr Bewegung wird daher von vielen Ärzten empfohlen. Doch dabei sollte es auch nicht übertrieben werden. Eine gesundes Maß ist entscheidend. „Gerade bei Laufanfängern ist es wichtig, dass Training behutsam anzugehen und den Körper nicht zu überlasten“, erklärt Pree. Ein Trainingsplan sei gut, um Struktur zu schaffen. Ebenfalls ist ein gutes Schuhwerk wichtig. Dabei rät der Coach, sich immer von einem Fachmann, in einem speziellen Laufsportgeschäft, beraten zu lassen.

Drei Einheiten die Woche

Ein Anfänger sollte auf eine Belastung, also eine Trainingseinheit, zunächst immer einen Pausentag folgen lassen, um dem Körper die Chance zu Regeneration zu geben. „Regeneration gehört zum Training genauso dazu wie alles andere“, hebt der Laufcoach hervor. Nach seiner Meinung rühren die meisten Verletzungen bei Läufern von Überlastungen im Training. „Der Körper braucht immer eine Zeit, um sich anzupassen. Laufen ist gesund, man muss sich nur Zeit geben.“ Bei einem Plan, der für einen untrainierten Anfänger drei Einheiten pro Woche vorsieht, dauert es demnach acht Wochen, bis 40 Minuten durchgelaufen werden können. Vier weitere Wochen für die ersten zehn durchgelaufenen Kilometer. Gerade in den ersten Trainingswochen sollten immer wieder Gehpausen die Einheiten bestimmen, um den Körper nicht zu überanstrengen. „Die Laufanteile werden dann pro Trainingswoche gesteigert. Dazwischen bleibt aber immer ein Tag Pause“, sagt der Physiotherapeut.

Auf den Körper hören

Ihm ist es wichtig, dass seine Athleten nicht zu schnell zu viel wollen, denn dann entstünden die Probleme. Auf die Signale seines Körpers zu hören, sei das Wichtigste, egal ob Anfänger oder Profisportler. Als Laufcoach bekommt Pree die unterschiedlichsten Läufer zu Gesicht, von Anfängern bis zu ambitionierten Bestzeitenjägern ist alles dabei. „Jeder Läufer hat dabei ein eigenes Motiv, warum er mit dem Laufen angefangen ist. Die Einstiegsvorraussetzungen sind ganz unterschiedlich und individuell zu betrachten. Manche bringen orthopädische Vorbelastungen mit, andere nicht“, erklärt Pree.

Eine neue Freiheit

Er selbst begann mit dem Laufsport an sich aus einer Wette heraus. Damals wollte er den Ossiloop schaffen. Zuvor hatte er aber schon Basketball und Tennis gespielt und eine gewissen Grundkondition erlangt. Als er sich dann mehr auf das Laufen fokussierte, bemerkte er, wie abwechslungsreich das Training sein kann und wie viel Spaß es macht. „Mir hat das Training im Wald eine neue Freiheit geschenkt und so begann ich, mich intensiver damit zu beschäftigen.“ Nach einer Leistungsdiagnostik, die ihm seinen ersten Trainingsplan lieferte, fasste er den Entschluss, selber Trainingspläne schreiben zu wollen. „Die Diagnostik hat mir gezeigt, wie viel noch in mir drin steckt und das hat mich fasziniert“, erinnert sich der Esenser. Bald darauf machte er die Ausbildung zum Laufcoach und trainiert inzwischen seit etwa vier Jahren die Sportler der LG Harlingerland.

Derzeit freut er sich, so viele neue Gesichter unter den Läufern auf seiner Hausstrecke zu sehen, entdeckt aber auch immer mal wieder welche, die sich überfordern. Er selbst läuft gerade nur für sich. Wettkämpfe hat er aufgrund der Coronakrise zurzeit keine in Aussicht, doch das macht ihm nichts aus. „Ich habe momentan einfach eine pure Freude am Laufen und mache das ganz ohne Druck. Das genieße ich“, sagt Pree.

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Annika SchmidtVolontärin

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