Neustadtgödens „Hallo Toddy“ rufen Neustadtgödenser jeden Alters, wenn der Postbetriebsassistent Thorsten Renken auf seiner täglichen Zustellfahrt durch das Dorf Briefe und Pakete bringt. Hier ist er geboren, hier kennt er jeden und jeder kennt ihn.

Nicht nur hier weiß man, dass Toddy ein Mann mit zwei Gesichtern ist: Der freundliche Beamte, der seinen Dienst ernst nimmt, und jener Toddy, der in seiner Freizeit gern charmant als Clown zu begeistern weiß. Nicht albern, eher spaßig, ehrlich und mit ganz eigenem Stil unterhält er Alt und Jung mit immer neuen lustigen Einfällen. Er ist Clown, Zauberer und Musikant mit Gitarre und Mundharmonika. Vorher hat er die Post-Uniform abgelegt, sich geschminkt und so angezogen, dass es allein schon zum Schmunzeln anregt.

Wie alles begann

Thorsten Renken begann vor 42 Jahren als einer der letzten Postjungboten. Ein Jahr danach nannte man die Auszubildenden Dienstleistungsfachkräfte. Eine Berufsbezeichnung, die wegen ihrer Länge später nur noch von Babette, seiner Frau, die er 1994 heiratete, überboten wurde: Sie ist Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin. Wo er sie kennenlernte? Beim Zahnarzt natürlich.

„Die Post ist mein Hauptberuf und Broterwerb, aber als Beamter zähle ich da zu einer ‚aussterbenden Rasse’, erzählt er. Bevor er ständig in Sande eingesetzt wurde und während seiner Tour auch eine tägliche Pause zum Mittagessen bei seiner 81-jährigen Mutter in der Kirchstraße machen durfte, gehörte er zum „fliegenden Personal“. Einsätze in Horsten, Etzel, Schortens, auf Langeoog und anderswo waren für den jungen Kollegen normal, und auch den Wandel der Privatisierung seines Arbeitgebers gehörte in diese Zeit. „Wie gut, dass ich mich auf Platt unterhalten kann, denn einige meiner Kunden konnten gar kein Hochdeutsch“, erinnert er sich.

Dass „Toddy“ wehrpflichtig war, beeinflusste seine Entscheidung, sich später in Ganderkesee privat zum Fallschirmspringer ausbilden zu lassen, nicht. Er hatte Fallschirmspringer im Fernsehen gesehen und sich gemeldet. Ein Absprung in 500 m Höhe aus einer Douglas DC-3 über Florida gehörte zu seinen schönsten Erlebnissen, bevor er diesen Sport nach knapp zehn Jahren wieder aufgab. Familie und Hausbau hatten ihn „gegroundet“.

Der Zufall machte mehr aus seinem Hobby

In seinen jungen Jahren gehörte er zeitweilig Bands an und übte sich hobbymäßig im Jonglieren. Eine Mutter bat ihn deshalb, bei einem Kindergeburtstag für Stimmung zu sorgen. Es gelang ihm, den Nachwuchs zu bespaßen. Unerwartet seine erste Gage, und der Weg zum Clown und Zauberer war geebnet. Aus Thorsten wurde Toddy, und der entwickelte sein eigenes Mitmachprogramm als Clown, Jongleur, Zauberer, Luftballonkünstler und Musiker. Wortlos oft der Beginn seiner Show, bis einer sagt: „Der fängt nicht an, wenn wir nicht ruhig sind!“ Dann nutzt er seine Luftballonpumpe als Telefon, modelliert aus den bunten Ballone Tiere, Herzen, Blumensträuße und vieles mehr. Beim Jonglieren setzt er Bälle, Keulen, ein Diabolo und manchmal auch Äpfel oder Apfelsinen ein. Dazwischen bewegt er ein Hündchen als Handpuppe auf dem Arm und aus einem kleinen Kästchen lässt er drei „weiße Mäuse“ kriechen, mit denen er sich unterhält. Mit kleinen Zauberkünsten, etwas Musik und seinem „Ehrenwort“: „Ich war auch mal erwachsen“, ist Stimmung garantiert.

Nicht nur bei Kindergeburtstagen kann man „Toddy“ bewundern. Auch bei Siedlerfesten, in Geschäften, beim Jever-Fun-Lauf, einem Mutter-Kind-Kurs, bei Weihnachtsmärkten und einer Veranstaltung seines Arbeitgebers in Oldenburg war er zu sehen. Wegen der Corona-Pandemie wurde sein Auftritt beim „Tag der Bundeswehr“ im Sommer leider abgesagt. Unvergessen bleiben ihm Einladungen zum fünften Geburtstag eines krebskranken Jungens und bei dementen Patienten eines Sander Pflegeheimes, denen er Freude bereitete. Sein Traum für die Zukunft wäre der Kauf einer Handpan, mit deren Glockenklang er gern etwas bewirken möchte.

„Der Zauber an meinem Hobby ist, dass ich mich dafür begeistere, Zufriedenheit und Kraft daraus schöpfe“, sagt Renken. Dazu verhilft auch der freie Blick aus seinem Garten bis in die Zeteler Marsch. Ein Wegweiser zeigt an, wo die Kinder studieren: Tochter Marleen (Medizin) in Wien und Sohn Finn (Bauingenieur) in Oldenburg.

Manfred LehmannFreier Mitarbeiter

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