Friesland /Ostfriesland „Die Bratwürste waren schon bestellt und lagen bereit“, sagt Franz Kupski. Auf dem Gelände des Sportparks an der Freiligrathstraße betreibt und bewirtschaftet er das Vereinsheim des Fußball-Bezirksligisten Wilhelmshavener SC Frisia. Kupski spricht vom Derby zwischen dem WSC und dem Heidmühler FC. Am 15. März hätte der Tabellenführer den Gast aus Schortens empfangen sollen, dann kam die generelle Spielabsage in sämtlichen Sportarten, bundesweit. Seitdem geht nichts mehr auf deutschen Sportplätzen.

„Ich habe das Essen dann an die Obdachlosenhilfe gespendet“, erzählt Kupski. Der Rentner muss mit den Einnahmen aus dem Betrieb der Vereinskneipe nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten, „aber das Geld fehlt trotzdem“, sagt er. Da niemand weiß, wie, wann und ob es mit der Saison 2019/20 weitergeht, hänge man in Luft. „Aber nützt ja nix. Jetzt mache ich eben Arbeiten, die man sonst um diese Jahreszeit nicht macht“, berichtet Kupski, „Bänke neu streichen zum Beispiel“.

Lange Winterpause wird noch länger

Der Fußball fiel vor knapp drei Wochen vom einen Loch ins andere. Die lange Winterpause, die durch aufgeweichte Rasenplätze mancherorts noch zusätzlich verlängert worden war, sollte endlich vorbei sein. Kupski hatte sich schon darauf gefreut, dass die Anlage wieder mit Leben gefüllt werden würde: „Die Kinder waren so lange in der Halle und hätten wieder nach draußen gedurft. Und dann steht unsere erste Mannschaft nach so langer Zeit mal wieder so gut da. Das wäre jetzt natürlich extrem ärgerlich, wenn die Saison am Ende annulliert werden würde.“ Die Pacht für das Vereinsheim zahlt Kupski weiterhin, doch ein Gesprächstermin mit dem WSC steht bereits an: „Wir werden da schon eine Lösung finden“, ist er sich sicher.

Auch im Klosterpark gehört die Bratwurst wie überall zum Fußball dazu. Im vergangenen Jahr hatte der Heidmühler FC einen alten Anhänger zum schicken Imbisswagen umgebaut – ein Hingucker an Heimspieltagen ist er seitdem. Die Bratwurstbude wird, wie auch die Vereinskneipe Bärenstübchen, vom Schortenser Gastronom Gerhard Hauck betrieben, der auch Inhaber der Gaststätte „Zum Mühleneck“ in Heidmühle war. „Die habe ich schon abgegeben“, sagt Hauck über die Wirtschaft am Heidmühler Bahnhof. Mit dem HFC hat er sich darauf geeinigt, die Pacht für das Bärenstübchen vorerst auszusetzen. „Aber irgendwann muss das ja auch alles nachbezahlt werden“, merkt der Wirt an. Auch in Heidmühle hatten sich alle gerade auf die zweite Hälfte der Bezirksliga-Spielzeit gefreut. Am 6. März hatte der HFC sein erstes Heimspiel seit Ende November bestritten – dann kam das nächste Loch. Aber nicht nur, wenn die erste Herrenmannschaft der Schortenser zu Hause antritt, bewirtet Hauck seine Gäste: „Geburtstagsfeiern, Konfirmationen – alles fällt weg und ist abgesagt worden. Es sieht alles schlecht aus.“

„Es ist einfach nichts mehr wie vorher“

Ähnlich sieht es auch bei Cevat Yavuz aus. Der Pächter des Clubheims in Esens im Stadion an der Peldemühle hatte immer zu den Spielen in der Bundesliga und bei den Heimspielen der Esenser Mannschaften geöffnet. Mit Beginn der Coronakrise ist das TuS-Heim geschlossen. Keine vier Wochen ist das her. „Es ist einfach nichts mehr wie vorher“, sagt der 65-Jährige. Er vermisst besonders die stimmungsvolle Atmosphäre, die an Fußballnachmittagen im TuS-Heim herrscht. „Mir persönlich fehlt es sehr“, merkt Yavuz an. Er weiß aber auch, dass es in der momentanen Situation keine andere Möglichkeit gibt. „Wir sollten uns einfach alle daran halten, was die Bundesregierung vorgibt“, betont der 65-Jährige, der altersbedingt selbst der schon oft zitierten Corona-Risikogruppe angehört. Er selbst meidet deshalb auch fast jeden Gang in die Öffentlichkeit. „Nur noch das Nötigste“, erzählt Yavuz.

Neben den Einnahmen aus dem Clubheim, das er mittlerweile seit elf Jahren in Eigenregie führt, fehlt dem fußballbegeisterten Türken auch der gewohnte Austausch mit den Sportlern aus der Bärenstadt, während diese an der Theke auf ihr frisch gezapftes Bier warten. „Der Fußball, die Gespräche, das Miteinander – all das fehlt“, sagt Yavuz. Der Vereinswirt hofft einfach, dass sich schnell alles normalisiert und er bald wieder seine Gäste im TuS-Heim begrüßen darf.

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