Aurich Wer die Saison als Aufsteiger auf Rang fünf beendet, der dürfte allen Grund zum Feiern haben. Doch dank des corona-bedingten vorzeitigen Endes, ist den Drittliga-Handballern des OHV Aurich danach auch heute noch nicht zumute. Die Saison fühlt sich unvollständig an, findet Trainer Arek Blacha. Dieser Tage wäre das Team auf Mannschaftsfahrt gewesen, um sich für die starke Saisonleistung zu belohnen. Auch dieser Abschluss findet nicht statt. Und so wird die Spielzeit 2019/2020 wohl für immer als die „Unvollendete“ im Gedächtnis bleiben, auch wenn sie wirtschaftlich für den OHV Aurich noch gar nicht beendet ist. „Erst am 30. Juni ist Schluss, bis dahin kommen wir aber gut aus“, sagt Teammanager Ewald Meyer mit Blick auf die Finanzen. Allein, dass die Zuschauereinnahmen aus den letzten Heimspielen fehlen, hat ein Loch in die Bilanz gerissen. Die Spieler sind aktuell in Kurzarbeit. „Dadurch konnten wir ein wenig sparen“, sagt Meyer. Probleme werden die Ostfriesen nicht bekommen.

Ein wenig banger ist da der Blick auf die kommenden Saison. „Früher konnten wir uns auf 95 Prozent unserer Sponsoren verlassen. Dank Corona wissen wir diesmal nicht, ob das so bleibt. Stand jetzt sind wir aber optimistisch“, sagt Meyer. Die Kalkulationen, gerade mit Blick auf die Heimspiele, sind schwierig. Kommen die Zuschauer, oder bleiben sie aus Angst vor Ansteckungsgefahr zu Hause? Gibt es eine Zuschauerbegrenzung? Gibt es Auflagen? Es sind viele Fragen auf die es bislang auch von höchster Instanz noch keine Antwort gibt. Mit seinem Acht-Stufen Plan „Return to play“ peilt der Deutsche Handballbund (DHB) ab dem 1. September die Rückkehr zum Spielbetrieb mit Publikum an. „Wenn man die Lockerungen so sieht, dann kann es tatsächlich wieder klappen“, sagt Meyer. Unwägbarkeiten, wie eine mögliche zweite Infektionswelle, behördliche Restriktionen und Neubewertungen bleiben ein Risiko. „Wir wissen auch noch gar nicht, in welche Staffel wir eingeordnet und wie die Spielpläne gestaltet werden. Bevor nicht feststeht, wann die Saison beginnt, wird der DHB auch nichts herausgeben“, ist sich Meyer sicher. Darum kann auch die Sparkassen-Arena für die Heimspiele noch nicht vom OHV Aurich gebucht werden. Dort stehen die Handballer aber in Konkurrenz mit vielen anderen kulturellen Veranstaltungen, die langfristig angesetzt werden. „Wobei da ja gerade auch nichts stattfindet“, schränkt der Teammanager des OHV ein.

Unabhängig davon gehen die Verantwortlichen des Drittligisten jetzt in die Sondierungs-Gespräche mit den Sponsoren. „Wir wissen ja noch nicht, ob bei dem einen oder anderen aufgrund der Corona-Krise Probleme aufgetreten sind. Ende kommender Woche sind wir da schlauer“, sagt Meyer.

Fest steht indes, dass die Handballer am 7. Juli ins Mannschaftstraining einsteigen. „99 Prozent der Spieler haben Verträge“, sagt Coach Arek Blacha, der sich auch Gedanken über Neuzugänge macht. „Es ist schwer, jemanden zu verpflichten, wenn man nicht weiß, wie es im nächsten Monat weitergeht“, erklärt Blacha. „Es wäre nicht fair, den Leuten etwas anzubieten, wenn man es vielleicht nicht einhalten kann.“

Für den Trainingsbeginn „habe ich Plan A, B und C“, sagt der Handball-Trainer. Am kommenden Montag dürfen die Fitnessstudios wieder öffnen. Nach Möglichkeit sollen seine Spieler dann auch wieder dort trainieren gehen. Alle sind mit individuellen Trainingsplänen ausgestattet. Viel mehr als Laufen war in den vergangenen Wochen aber kaum möglich. Ob die Übungseinheiten später in drei Gruppen abgehalten werden, muss sich, angelehnt an die dann bestehenden Vorschriften, noch zeigen. Blacha blickt da auch auf andere Teams in der 3. Liga. „Einige Mannschaften trainieren mit Masken. Ich bin Physiotherapeut und arbeite täglich damit. Ich kann mir nicht vorstellen, meine Jungs zwei Stunden so durch die Gegend zu jagen“, sagt er und schaut dann auch auf seine Zeit als Trainer zurück. „Ich mache das seit 20 Jahren und habe schon alles erlebt. Wir hatten in der Vorbereitung schon mal keine Halle oder keine Torhüter. In einer Winterpause waren es draußen minus 20 Grad, da hatten wir in der Halle minus fünf und mussten in Edewecht mit Mützen und Handschuhen trainieren. Jetzt gibt es Kontaktverbot und ich muss mit meinen Jungs individueller arbeiten. Trainingsmäßig gibt es wirklich Schlimmeres.“

Klar ist für ihn aber auch: „Es ist gerade eine Katastrophe, die auf der Welt geschieht. Und es wird auch nicht von jetzt auf gleich alles wieder normal weitergehen.“

Thomas BrevesLeitung Sportredaktion

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