Jever /Schortens Es passierte von jetzt auf gleich: Supermärkte dürfen ausschließlich Lebensmittel und Hygieneartikel verkaufen. Auch in den Edeka-Märkten von Tobias Wichmann in Jever stand am Samstag deshalb das Ordnungsamt vor der Tür, um zu kontrollieren, ob die Vorgaben umgesetzt werden.

Gartenzubehör, Textilien, Glühbirnen, anfangs sogar Batterien und Schreibwaren – das alles ist plötzlich aus den Regalen oder hinter einem Absperrband verschwunden, erzählt er. Blumen und Pflanzen wurden weggeräumt und verwelken. Im Lager sei schlicht zu wenig Platz, um alles unterzustellen.

Sortiment abgesperrt

Wie Wichmann ging es in den vergangenen Tagen wohl den meisten Mitarbeitern in Verbrauchermärkten, die in Zeiten der Corona-Pandemie noch öffnen dürfen: Sie müssen die Allgemeinverfügungen des Landkreises Friesland umsetzten. Welches Sortiment aktuell noch verkauft werden darf, regelt die Allgemeinverfügung für den gesamten Landkreis – diese ist inzwischen leicht geändert worden. So können die Märkte inzwischen wieder Schreibwaren und Bürobedarf sowie Batterien verkaufen.

Regeln konkretisiert

„In dieser für uns allen neuen Situation gibt es natürlich viele Fragen, auf die der Landkreis reagiert und, wenn nötig, Vorgaben konkretisiert“, erklärt Landkreis-Pressesprecherin Nikola Karmires. Grundsätzlich erlaubt ist der Verkauf von Artikeln des dringenden, täglichen Bedarfs – Lebensmittel und dringend notwendige Drogerieartikel. Sogenannte Non-Food-Artikel dürfen nicht verkauft werden, auch Gutscheine fallen darunter. „Artikel wie Schreibwaren und Batterien zählen zwar zum Non-Food-Bereich, dennoch sind diese Waren insbesondere für die nun verstärkten Home-Office-Tätigkeiten relevant und können somit in den Super- und Drogeriemärkten verkauft werden“, erklärt Karmires die Anpassung.

Ziel sei es, dass sich möglichst wenige Personen in Geschäften aufhalten und somit nur Einkäufe für dringend notwendige Artikel erledigen. „Um dies zu unterstützen, ist es erforderlich, dass nicht notwendige Artikel aus dem Sortiment genommen oder abgesperrt werden.“

Appell an die Vernunft

Fest steht: Im überwiegenden Teil der Verbrauchermärkte werden die Vorgaben umgesetzt. Und sogar Maßnahmen darüber hinaus – etwa beim Desinfektionsschutz. Diese Erfahrung hat Thomas Berghof gemacht. Der Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Schortens und seine Mitarbeiter waren über das Wochenende und Anfang der Woche unterwegs, um den Einzelhandel und Gastronomiebetriebe sowie sämtliche Märkte zu kontrollieren. „Insbesondere die Sonderposten haben uns anfangs aufgrund des ungeregelten Warensortiments Kopfschmerzen bereitet“, sagt Berghof. Aktuell ist es so: Sonderpostenmärkte dürfen weiterhin öffnen und Lebensmittel sowie Hygieneartikel verkaufen. Andere Bereiche müssen auch hier abgesperrt werden. Dass der Landkreis inzwischen bei Schreibwaren und Batterien eine deutliche Aussage getroffen hat, sei hilfreich.

Bei Kontrollen würde das Ordnungsamt vor allem an die Vernunft appellieren. „Wir treten nicht als Buh-Männer auf“, sagt Berghof. Viel wichtiger sei es, den Sinn der Abstandsregelung an den Kassen auch in die Köpfe der Menschen zu bekommen. Wenn sich dann doch mal ein Dickkopf weigert? „Dann schreiten wir ein, zur Not auch mit der Polizei.“ In Schortens sei das noch nicht der Fall gewesen. „Bei uns ist alles relativ sicher.“

Hamsterkäufe im Blick

Landrat Sven Ambrosy freut sich darüber und bedankt sich bei den Bürgern, die die aktuellen Regelungen beachten und umsetzen – und zudem auf unnötige Hamsterkäufe verzichten. Diese habe der Landkreis ebenfalls im Blick: „Sollten hier Regelungen erforderlich sein, so wird der Landkreis Einzelverfügungen für die jeweiligen Betriebe natürlich erlassen. Das ist derzeit aber noch nicht erforderlich.“ Sollte es aber zu Verstößen der Anweisungen des Landkreises kommen, müsse hart durchgegriffen werden. Ambrosy: „Missachtung tolerieren wir nicht.“

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