Friesland /Ostfriesland Wer Inseln liebt, kann sich kaum vorstellen, dass irgendein Mensch diese Liebe nicht teilt. Inseln inspirieren seit Jahrtausenden die Menschen. Schiffbruch, Piratenschatz und fremde Zivilisationen versprechen sie den Abenteurern unter uns, die Entdeckung der Langsamkeit, Erholung, Wind und Duft den Suchenden.

Piratengeschichten und Schiffbruch haben auch unsere Ostfriesischen Inseln zu bieten, ansonsten sind sie fast sogar zahm und zerbrechlich, wie sie da in der Nordsee liegen, das Festland vor Sturm und Flut schützen und das Wandern in den Gezeiten einfach nicht lassen können. Sie haben ihre eigenen Geschichten und Mythen, Bräuche und Menschen – ja, die Inselbewohner mögen Ostfriesen oder Friesländer sein, und doch sind sie ein eigenes Volk.

Sie leben schon lange nicht mehr von der Fischerei oder der Strandräuberei, sie haben gelernt, die herzlichsten Gastgeber des Landes zu sein.

Zugleich sagt man ihrem Wesen Untiefen und scharfe Kanten nach. Im Winter sind sie nun einmal lange unter sich, da bilden sich gewisse Eigenheiten heraus. Mitunter munkelt man, sie seien zänkisch, wenn keiner hinschaut. Ihre Leuchttürme gewährleisten, dass wir sie nie ganz vergessen können dort draußen in der Nordsee.

Der Dichter Heinrich Heine (1797–1856) war mehrfach auf Norderney zu Gast, einmal, 1827, auch auf Wangerooge. Er liebte Inseln allgemein, aber er erlaubte sich auch, über ihre Bewohner zu spötteln.

„Die Tugend der Insulanerinnen wird durch ihre Hässlichkeit und gar besonders durch ihren Fischgeruch, der mir wenigstens unerträglich war, vorderhand geschützt“, heißt es in dem Teil seiner Reisebilder, der als „Die Nordsee“ bekannt ist.

Dass die Kinder der Insulanerinnen trotzdem (und angeblich) den Badegästen ähnlich sähen, ist Heine der Erwähnung wert. Zugleich bekennt er aber, als er seinem Verleger vom Schwimmunterricht auf Norderney schreibt: „Das Meer war so wild, dass ich oft zu versaufen glaubte. Aber dies wahlverwandte Element tut mir nichts Schlimmes. Es weiß recht gut, dass ich noch toller sein kann. Und dann, bin ich nicht der Hofdichter der Nordsee?“

Viele Dichter vor und nach Heine haben über die Ostfriesischen Inseln geschrieben: aufwühlend, sentimental oder kitschig.

Ein Inselstrand ist eine ganz andere Erfahrung als ein Strand am Festland. An der Küste genießen wir Seeluft und Salzwasser, aber der Alltag kann sich dort noch jederzeit von hinten an uns heranschleichen, und dann hat er uns.

Die Illusion von Freiheit ist nirgends so wirkungsvoll wie auf einer Insel. Ein Sehnsuchtsort vom Feinsten: Das Terrain ist überschaubar, wir lassen die Sorgen auf dem Festland zurück und dürfen darauf vertrauen, dass sie selbst die kurzen Distanzen zu den Ostfriesischen Inseln nicht überwinden. Unsere Gedanken aber und unsere Gefühle werden an diesen Stränden zu leichten Segelbooten, die keine Grenzen mehr respektieren.

Christoph HinzLokalredaktion

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