Friesland Es war nur ein kurzer Satz, der in der Pressemitteilung des Landkreises am Sonntag fehlte. Aber es war ein entscheidender. War bei den vorherigen fünf bestätigen Fällen von Coronavirus-Infektionen immer die Rede davon, dass die betroffene Person gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt war oder sich außerhalb des Landkreises angesteckt hat, gab es bei Fall 6 keinen solchen Hinweis.

Die Nachfrage beim Landkreis ergab, was zu vermuten war. Bei dem Fall könne nicht abschließend festgestellt werden, wo die Ansteckung erfolgt ist, heißt es aus dem Kreishaus in Jever. Eine Ansteckung im Kreisgebiet ist also nicht auszuschließen. Fest steht: Es handelt sich um einen Drittkontakt eines positiv Getesteten.

Der Fall zeigt zweierlei: Zum einen, wie akribisch die Behörden weiterhin die möglichen Infektionsketten über mehrere Ebenen nachverfolgen und damit auch Infizierte finden. Auch für Drittkontakte von positiven Fällen gilt immer Quarantäne. Zum anderen rückt aber mit der deutschlandweit steigenden Zahl von Infektionen auch die Gefahr näher, dass das Virus im Landkreis zirkuliert, also Ansteckungen nicht nur außerhalb erfolgen.

Vom Epizentrum Niedersachsens, der Region Hannover mit weit über 300 Fällen, oder dem Großraum Hamburg, der auch in die Nachbarkreise ausstrahlt, ist Friesland weit entfernt. Allerdings mehren sich auch im Ammerland (32) und im Landkreis Aurich (28) die Fälle. Wittmund (5), Friesland (6) und Wilhelmshaven (7) profitieren offenbar von ihrer geografischen Randlage, wo die Verkehrsbeziehungen in der Regel enden.

Ein weiterer Faktor, der auf der Seite Frieslands steht, ist die Zeit. Sollte das Virus tatsächlich beginnen, hier zu zirkulieren, dann käme das zu einem Zeitpunkt, wo mit der Schließung der meisten Geschäfte, erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Leben und der Kontaktsperre intensive Maßnahmen in Kraft sind, die dem Virus die Weitergabe deutlich erschweren, es im besten Fall sogar in eine Sackgasse laufen lassen. Andere Regionen Deutschlands hatten nicht so viel Glück: Dort breitete sich das Virus aus, als noch gar keine oder sehr wenige Maßnahmen griffen.

Und natürlich ist da noch der Faktor Vernunft. So habe sich der 6. Fall vom Sonntag bereits vor der Quarantäne sehr umsichtig verhalten, ergaben die Nachforschungen der Behörden. Es gab also nur sehr wenige soziale Kontakte und die betroffene Person blieb die meiste Zeit zuhause.

Ruhe und Besonnenheit, wie sie Landrat Sven Ambrosy einfordert – sie sind weiterhin angeraten und könnten sich für die Friesen bezahlt machen.

Malte KirchnerFrieslandredaktion

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