Wiesedermeer Auch nach Ansicht von Vorstand Heiko Wasserthal ist die Raiffeisenbank Wiesedermeer-Wiesede-Marcardsmoor ein Kreditinstitut mit mehreren Besonderheiten auf der ländlichen Fläche. Dass ein derartiges Unternehmen im Zusammenhang mit der Corona-Krise allerdings Kurzarbeit einführen muss, sei in der mehr als 100-jährigen Geschichte ein Novum.

Ungewöhnlicher Schritt

„Das ist für eine Bank, aber auch für unsere Warenabteilung tatsächlich ein ungewöhnlicher Schritt, zumal mit dem beginnenden Frühling die Hauptsaison jetzt bevorsteht“, erklärte Wasserthal gestern auf Nachfrage. Der Geschäftsführung sei es allerdings darum gegangen, den gesamten Betrieb in dieser schwierigen Zeit kontinuierlich aufrechtzuerhalten. „In unseren kleinen Teams dürfte keiner krank werden, deshalb schicken wir Mitarbeiter im Wechsel nach Hause und reduzieren die Arbeitszeit auf die Hälfte.“ Das Kurzarbeitsgeld würde die Raiffeisenbank Wiesedermeer um 20 Prozent aufstocken, damit das Minus im Portemonnaie nicht allzu groß ausfällt.

Sicher ist sich Heiko Wasserthal, dass die Dienstleistungen seines Hauses mit den beiden Abteilungen auch weiterhin zufriedenstellend angeboten werden können. „Vielleicht muss ein Kunde einmal etwas länger warten, das war es aber auch schon.“ Zu Beginn der Corona-Krise sei ein Ansturm der Bankkunden zu verzeichnen gewesen, die sich mit Bargeld eindeckten. Mittlerweile jedoch sei die Frequenz stark geschrumpft. Vorstand Wasserthal selbst begibt sich im Wechsel mit seinem Kollegen Gero Hirsch ins Homeoffice.

Kurzarbeit in einer Bank – dies werde zu den außergewöhnlichen Ereignissen während seiner Tätigkeit in Wiesedermeer gehören, betont Heiko Wasserthal. Der 65-Jährige geht am 29. April nach sieben Jahren in leitender Funktion in Ruhestand, auf eine große Verabschiedung wird wegen der Krisenzeit verzichtet. Als herausragende Projekte sieht der Bankkaufmann aber auch die 100-Jahr-Feier der Genossenschaftsbank im Januar 2016, eine erste Kundenreise nach Albanien, ein erstmals angebotenes Baugebiet und den Besuch einer indischen Delegation, die sich über das Modell eines Kreditinstituts mit angeschlossener Warenabteilung informieren wollte.

Kleine Bank mit Zukunft

Um den Fortbestand der Raiffeisenbank Wiesedermeer-Wiesede-Marcardsmoor ist dem scheidenden Vorstandsmitglied nicht bange. Mit der Vernetzung in der Region und die gelebte Nähe zu den dörflichen Kunden sei das Institut gut geerdet. „Gerade, weil wir klein sind, haben wir eine Zukunft“, sagt Heiko Wasserthal. Eine derartige Einheit könne flexibler reagieren, Kreditentscheidungen würden in Wiesedermeer schneller gefällt werden als in größeren Unternehmen. Und dem modern aufgestellten Haus- und Gartenmarkt spiele in die Hände, dass andere Standorte wie Leerhafe und demnächst Marx wegfallen. „Mich haben die Aufgeschlossenheit und die Lernbereitschaft unserer Mitarbeiter stets fasziniert.“

44 Jahre im Bankwesen

Der gebürtige Oldenburger war im April 2013 in die Gemeinde Friedeburg gekommen, nachdem er ab 1976 in der Huntestadt, bei Elsfleth in der Wesermarsch sowie zehn Jahre in Gotha (Thüringen) im Bankwesen gearbeitet hatte. Derzeit ist Wasserthal dabei, die von ihm betreuten Aufgabenbereiche an seinen Nachfolger zu übergeben, den 43-jährigen Bankkaufmann Lars Dominik, der zum Monatsanfang April seinen Schreibtisch bezogen hat. Hierbei handelt es sich vor allem um Personalentwicklung, Vertriebs- und Marketingplanungen, die Heiko Wasserthal selbst mit aufgebaut hat, aber auch um die Betreuung von Firmenkunden, Landwirten und größeren Privatkunden. Auch eingeführte Aktivitäten zum betrieblichen Gesundheitsmanagement gehen auf seine Initiative zurück.

Im Ruhestand möchte sich Heiko Wasserthal neben einer Kambodscha-Reise und einer Patenschaft für ein Tier verstärkt seinem sportlichen Hobby, dem Triathlon, widmen. Als Gasthörer an der Universität Oldenburg sollen zudem Geschichte, Biologie, Sprachen und alternative Energien in seinem Fokus liegen.

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