Fulkum Renke Westermann ist Landwirt – ein Landwirt im Umbruch, denn der 43-Jährige hat den früher konventionellen Milchviehbetrieb, den er zusammen mit seinen Eltern betreibt, umgebaut. Auf 130 Hektar, davon 50 Hektar Ackerland, hält er 270 Stück Vieh: Deutsches Niederungsrind – die Ur-Kuh und quasi Mutter der Ostfriesischen Milchkuh. Doch diese bilden nur ein Standbein des bäuerlichen Betriebes. Ein weiteres ist die Eierproduktion. In drei Ställen hält Westermann 3000 Hennen. Und die treiben ihm derzeit die Sorgenfalten auf die Stirn, denn mit dem Standort Fulkum fällt sein Betrieb in das Beobachtungsgebiet um den mit Vogelgrippe infizierten Stall in Schwittersum.

Renke Westermann, der sich aktuell auch um eine Bio-Zertifizierung bemüht, musste seine Legehennen aufstallen. Natürlich geht es seinen Hühnern auch dort gut, denn sie werden nicht in Käfige eingepfercht. Der große Stall ist gut belüftet, mit Stroh eingestreut und als Leckerli gibt es noch einen Heuballen oben drauf. Für den Landwirt stellt sich allerdings die Frage, wie lange darf er die Eier, die er über die Firma „Auricher Eier“ vermarktet, noch als Produkte freilaufender Hühner verkaufen? Wann werden es Eier aus Bodenhaltung?

Würde Westermann merken, wenn mit seinen Hühnern etwas nicht stimmt? Der 43-Jährige ist sich da ziemlich sicher, er würde es, denn er nimmt sich Zeit für seine Tiere. So kommt es durchaus vor, dass er sich einfach in den Stall setzt und seine Tiere beobachtet.

Vom Landesamt kontrolliert

Doch das reicht natürlich nicht aus. Zweimal im Jahr wird der Betrieb vom Laves (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) kontrolliert. Etwa alle acht Wochen und zu bestimmten Zeiten muss der Landwirt obendrein noch selbst Proben an das Amt schicken. Das sind einerseits Kotproben und andererseits ein Sammelsurium aus dem gesamten Stall, das mit Hilfe besonderer Stoffsocken aufgelesen wird. Obendrein muss alles rund um die Hühnerställe genauestens dokumentiert werden: Wasserverbrauch, Temperatur und noch vieles andere mehr.

Aber trotz aller Vorsicht und Kontrolle kann es natürlich passieren, dass die Vogelgrippe auch seine Ställe erreicht. Als möglichen Infektionskontakt sind beispielsweise Wildvögel nie ganz auszuschließen, so Westermann.

Sollte das passieren, „dann ist alles vorbei“, so der Eierproduzent. Der Gesamtbetrieb wäre zwar nicht gefährdet, aber die Eierproduktion, denn der finanzielle Schaden wäre erheblich. Die Tiere, die im Seuchenfall gekeult werden müssten, würden zwar finanziell durch die Tierseuchenkasse ersetzt, alles andere aber bleibt beim Landwirt hängen. Entsprechende Versicherungen gibt es zwar, sind in der Regel jedoch so teuer, dass die Unternehmer diese Kosten im harten Wettbewerb scheuen.

Im Normalfall leben die Hennen 15 bis 18 Monate in Westermanns Ställen, da dann die Qualität der Hennen und Eier nachlässt. Die ausgemusterten Tiere gehen an private Hühnerhalter, in die Kopftöpfe oder die industrielle Verwertung. Letzteres übrigens nicht selten zu einem Spottpreis: 80 Euro für 1200 Hühner sind durchaus Realität.

Um Nachwuchs muss sich der Landwirt aber schon beizeiten kümmern – etwa 25 Wochen bevor dieser legereif in die Ställe kommt. Die Brutmaschinen werden nämlich nur bei Bestellung „angeschmissen“. Die Zeit zwischen den Tierwechseln werden für Reparaturen, aber vor allem Hygienemaßnahmen genutzt. Denn die Hygiene sei das A und O für gesunde Tiere und gute Eierqualität, so Westermann.

Helmut BurmannLokalredaktion

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