Esens „Mein Name ist Tim, ich bin 15 Jahre alt und YouTuber“, stellt sich der neue Mitschüler seiner Klasse vor und wirkt dabei ziemlich verunsichert. Kein Wunder, ist er doch zusammen mit seinem Vater von der Großstadt „aufs platte ostfriesische Land“ zu seiner Oma gezogen. Der frühe Tod seiner Mutter, der zu dem Wohnungswechsel geführt hat, setzt ihm ebenfalls noch stark zu. Schon während einer Autofahrt noch vor seinem ersten Tag an der neuen Schule nimmt das Schicksal seinen Lauf: Ein von Tim selbst aufgenommenes Gespräch zwischen ihm und seinem Vater verrät Unangenehmes – und fällt als YouTube-Video einer zukünftigen Mitschülerin in die Hände, die es für ihre Zwecke zu nutzen weiß.

Schon bei diesen ersten gezeigten Szenen des unter der Regie des Esenser Realschullehrers Oliver Otto gedrehten Films „#Cyber2019“ herrschte bei der Premiere am Freitagabend in der voll besetzten Theodor-Thomas-Halle gebannte Stille. Thematisiert der in einem Großprojekt von Vertretern der Esenser Haupt- und Realschule, der Landesbühne, dem Präventionsrat Harlingerland und der Jugendpflege der Samtgemeinde Esens entstandene Film doch eindringlich das Internetmobbing als neue Gefahr für unsere Gesellschaft. Denn schnell wird die Handlung dramatisch – und nur eine Whatsapp-Nachricht reicht aus, um einen Mitschüler in die Falle zu locken oder ihn mit Fotos und Videos lächerlich zu machen.

Meisterhaft in „#Cyber2019“ beherrschen die intriganten Emily und Sina die Technik des Internetmobbings: Für sie ist das Smartphone ein willkommenes Hilfsmittel, um Hanna zu erpressen, Sven zur Gewalt anzustacheln und letztlich die ganze Klasse gegen Tim aufzuwiegeln.

Natürlich hat der Film kein Happy End: In der letzten Szene, die während einer Klassenfahrt in Schillig spielt, läuft der vor seiner ganzen Klasse blamierte Tim verzweifelt ins Watt, Hanna und eine Lehrerin können ihn nicht folgen und gehen am Strand erschöpft in die Knie. Dann geht in der Theodor-Thomas-Halle das Licht wieder an. Nach einem kurzen Moment des nachdenklichen Schweigens lotste die in das Projekt involvierte Sozialpädagogin Undine Löschhorn alle Mitwirkenden auf die Bühne, wo sie ein tosender Beifall erwartete.

„Beim Cybermobbing verlieren am Ende alle“

Der Regisseur Otto fasste in einem Pressegespräch noch kurz seine Sicht auf den Film zusammen. „Der Zuschauer merkt, dass beim Cybermobbing am Schluss alle verlieren“, so Otto. Man könne den Film auch nur kapitelweise sehen und die Schüler im Unterricht fragen, wie sie sich jetzt verhalten würden. Apropos Unterricht: Der Film wird dem Präventionsrat Harlingerland zur Verfügung gestellt, der ihn dann in Schulen zeigen kann, um auf die Gefahren „in der Welt des Internets“ hinzuweisen. Löschhorn bezeichnete ihn als ersten in Ostfriesland gedrehten „Anti-Cybermobbing-Film“.

Die in dem Film mitwirkenden Schülerinnen Sophie Hinz, Maja Oldewurtel und Jana Stieber vertraten die Ansicht, dass in unserer Gesellschaft noch zu wenig über Cybermobbing gesprochen werde. Der Film #Cyber2019 zeige, wie sich der Hass schnell auf eine Person fokussieren könne.

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